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...denen wir viele LeserInnen wünschen


Jonathan Franzens komplexe Familiengeschichte

Franzen, Jonathan : Die Korrekturen.
Roman.
Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell.
( Originaltitel: The Corrections).
ROWOHLT Taschenbuch Verlag 2003
780 S., kart.

ISBN: 3-499-23523-4

EUR 12,90


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Franzen: Korrekturen

unsere Rezension:

Mehr als genug - Jonathan Franzens komplexe Familiengeschichte

Die Vorschusslorbeeren für Jonathan Franzens 'Die Korrekturen' regneten so dicht herab von den Elfenbeintürmen der Kritiker, dass man den 780-Seiten-Wälzer etwas misstrauisch zur Hand nimmt. Und richtig, kaum hat man die fulminanten ersten Seiten verschlungen, läßt das zweite Kapitel einen stutzen. Sind diese Klischees ernstgemeint? Sind wir doch in der Lindenstraße gelandet? Und gerade wenn man hämisch beschließt, das allgemeine Lobhudeln korrigieren zu müssen, merkt man, dass man längst in den Sog eines Buches geraten ist, das wirklich außergewöhnlich ist. An der Oberfläche eine amüsant-bissige und gleichzeitig tragische Familiengeschichte, die auch slapstickartigen Übertreibungen nicht zurückschreckt, reichen die Wurzeln und Fäden der 'Korrekturen' ins Zeitlose. 'Die Korrekturen' ist ein Werk, das in seiner Geschlossenheit und in seinem gewandten Still wenig Vergleichbares findet. Trotz aller Demaskierungen und bei aller Ironie herrscht in diesem Buch ein tiefer Humanismus und so trügt denn der zweite Eindruck. Jonathan Franzen nimmt seine Figuren ernst und er nimmt sie in Schutz vor dem Leser, dem er ihre Schwächen und Intimitäten offenbart. Vielleicht ist dies das Besondere an den 'Korrekturen'.
'Die Korrekturen' ist die Geschichte der Familie Lambert, die natürlich eingebettet ist in die Geschichte der Vereinigten Staaten von den 60er Jahren bis hin in die Fast-Gegenwart. Die Mutter Enid, die es sich nach 50 Jahren Ehe endlich einmal gutgehen lassen will. Der Vater Alfred, der sich am liebsten im Keller in seinem Lieblingssessel verkriecht und durch seine Krankheiten (Parkinson und Demenz) erst einige der Korrekturen in der Familie auslöst. Der älteste Sohn Gary, ein nach außen hin erfolgreicher Bankenmensch, der nur mühsam die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum und seinen Hang zu Depressionen bewahrt. Chip, der Mittlere, hat seiner Karriere als Literaturprofessor durch eine Affäre mit einer Studentin ein frühzeitiges Ende beschert hält sich als dubioser Internetberater in Litauen über Wasser. Die Jüngste, Denise macht sich als Gourmetköchin einen Namen hat aber mit der Auswahl ihrer Männer wenig Glück. Die Krankheit des Vaters weckt in Enid den Wunsch, ihre Kinder und Enkelkinder zu einem letzten gemeinsamen Weihnachtsfest in St. Jude, einer Kleinstadt im amerikanischen Herzland zu versammeln. Davor unternimmt sie mit Alfred, dessen Krankheit sie unterschätzt, eine Kreuzfahrt, in deren Verlauf es zu einem Unfall kommt, der allen den Ernst der Lage klar macht.
Fast eine Alltagsgeschichte also, die der Autor erzählt und die hätte sich sicher auch auf 300 Seiten erzählen lassen. Aber worum es in den 'Korrekturen' wirklich geht ist nicht die Geschichte an der Oberfläche (die sicherlich auf 300 Seiten Platz gefunden hätte); es geht vielmehr um Gründe, Sehnsüchte und Ängste von der Kindheit übers Erwachsenwerden bis hin zum Tod. Und es geht darum, dass es durchaus möglich ist, sich zu 'korrigieren'.
Ein weises Buch? Auf jeden Fall schließt man es nachdenklich und wird sich sicher dabei ertappen, dass man den Protagonisten noch einige Gedanken widmen wird. (P. Philippi)

Ten years after: Donna Tartt ist immer noch für eine Überraschung gut

Donna Tartt: Der kleine Freund. Roman.
Originaltitel: The Little Friend
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
768 S., gebunden

Goldmann Verlag 2003

ISBN: 3-442-30668-X

24,90 EUR
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Tartt: Freund

unsere Rezension

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Donna Tartt mit ihrem Erstling ''Die geheime Geschichte'' für Aufsehen sorgte. Nach diesem Paukenschlag blieb es lange still um die Autorin, die nun mit ''Der kleine Freund'' endlich einen Nachfolgeroman veröffentlicht hat. Die Geschichte beginnt düster: In einem kleinen Städtchen in den Südstaaten wird der neunjährige Sohn der Familie Cleve erhängt im Garten aufgefunden. Ein Unglücksfall scheidet schnell aus, zu gekonnt ist die Schlinge geknüpft, in der der Junge hängt. Die Suche nach dem Täter bleibt erfolglos, die Familie Cleve wird nie mehr die gleiche sein. Die Mutter Charlotte, die sich insgeheim die Schuld am Tod des Sohnes gibt, versinkt in Apathie. Der Vater Dixon sucht sich eine Arbeitsstelle, die weit, weit weg ist und hat außer Überweisungen, Telefonanrufen und Besuchen zu Weihnachten mit dem Rest der Familie nichts mehr zu tun.
Zwölf Jahre nach dem grausigen Geschehen beschließt die mittlerweile dreizehnjährige Schwester Harriet, endlich herauszufinden, wer ihren Bruder ermordet hat. Harriet, dickköpfig und einfallsreich, hat schnell ihren Hauptverdächtigen gefunden und wird alles daran setzen, den Bruder zu rächen. Donna Tartts opulente Geschichte von 760 Seiten entwickelt ihren ganz eigenen Sog, die Kleinstadt Alexandria mitsamt ihren Kriminellen, Süchtigen, Predigern, Sonntagsschulen und heilen Fassaden bietet die Kulisse für ein Drama, das unerbittlich fortschreitet. Vieles schildert Donna Tartt aus der Sicht ihrer halb kindlichen, halb erwachsenen Heldin Harriet. Zur Feindin möchte man dieses Mädchen nicht haben und ob man sie zur Freundin haben möchte, sollte man sich besser zweimal überlegen. Denn ihren besten (und vielleicht einzigen) Freund Hely bringt sie mehr als einmal in brenzlige Situationen.
Aber ''Der kleine Freund'' ist kein verklärendes Buch, das Kinder als Helden darstellt. Harriets Welt mit ihren Ängsten und Zwängen ist durchaus überzeugend dargestellt, ihre Seelennot nachvollziehbar. Sie will den dunklen Schatten, der seit Jahren auf ihrer Familie liegt vertreiben, wenn es sein muss mit Feuer und Gewalt.
Wie mit der ''geheimen Geschichte'' ist Donna Tartt wieder ein Buch gelungen, das die Genregrenzen kalt lächelnd hinter sich läßt. Irgendwo zwischen Krimi, Psychodrama, Familien- und Entwicklungsgeschichte ist ihr ''Kleiner Freund'' angesiedelt und wie gut das Buch wirklich ist, merkt man daran, dass es Widerhaken im Kopf hinterläßt. Ein leise verstörendes Buch, spannend wie ein guter Krimi. Und das ist es ja schließlich auch, oder?

Im Taschenbuch: Jeder seines Glückes Schmied

Klein, Stefan: Die Glücksformel.
Oder: Wie die guten Gefühle entstehen. 320 S. m. Abb. , kart.

Rowohlt Taschenbuch Verlag 2003
ISBN: 3-499-61513-4

9,90 EUR

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Klein: Die Glücksformel

unsere Rezension:

Gleich vorweg: 'Die Glücksformel' von Stefan Klein bietet kein Patentrezept fürs Glücklichsein. Der Untertitel 'Wie die guten Gefühle entstehen' trifft eher den Kern des Buches. Der Wissenschaftsjournalist fasst den aktuellen Stand der Gehirnforschung sowohl aus medizinischer wie psychologischer Sicht zusammen und dass diese Fleißarbeit keine Aneinanderreihung von Fakten bleibt, liegt am prägnanten und flüssigen Stil des Autors. Auch die kurzen Kapitel mit sinnlichen Überschriften sorgen für Übersichtlichkeit.
Was spielt sich ab in unseren Gehirnen, wenn wir Wut, Freude oder Trauer empfinden und wie entstehen Süchte? Klein beschreibt nicht nur die biologischen Komponenten sondern nennt auch psychologische, philosophische und soziologische Aspekte, die bei der Beantwortung der Frage helfen, ob Glück erlernbar oder zumindest beeinflussbar ist. Klein gibt eine eindeutig positive Antwort und im letzten Teil gibt es auch konkrete Hilfen für den Alltag.
Darüber hinaus gibt das Buch Antwort auf Fragen, die wir uns immer schon gestellt haben: Macht Reichtum glücklich? etwa. Oder: Soll man seinen negativen Gefühlen freien Lauf lassen? In welchen Ländern sind die Menschen am unglücklichsten?
Ein Buch mit hohem Informations- und Gebrauchswert! (P. Philippi)

Über den Autor:
Stefan Klein wurde 1965 geboren. Er studierte Physik und Philosophie in München, war freier Autor für "SZ" und "FAZ" und absolvierte eine Print- und Fernsehausbildung an der Henri-Nannen-Schule. 1996-99 war er Mitglied der Spiegel-Redaktion im Wissenschaftsressort. Er schrieb zahlreiche Titelgeschichten , Spiegel-Gespräche, Reportagen und Serienprojekte. Stefan Klein ist ein gefragter Moderator auf Symposien, u.a. der EU-Kommission. 1998 wurde er für seine Arbeit mit dem Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschafts-Journalismus ausgezeichnet. 1999 wechselte Stefan Klein zu "Geo" und arbeitet seit 2000 als freier Autor und Medienberater.
(Quelle: Verlag)

Die Lebenslügen des Castro-Regimes: Leonardo Paduras Krimi

Leonardo Padura: Ein perfektes Leben.
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein.
286 S., gebunden

Unionsverlag 2003

ISBN: 3-293-00315-X

18,90 EUR

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Padura Leben

Verlagswerbung:

Teniente Mario Conde hat noch einen furchtbaren Kater von der Silvesterfeier. Doch als er trotz freien Wochenendes von seinem Chef den Auftrag erhält, ein verschwundenes hohes Tier aus der kubanischen Nomenklatura zu suchen, merkt er bald, dass es sich bei dem Verschwundenen um Rafael Morín handelt, einen Schulkollegen.
Schlagartig kommen die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit zurück: Der Mann mit der blütenweißen Weste, der zuverlässige Genosse, war schon damals ein Musterschüler, der immer das bekam, was er wollte – auch Mario Condes Freundin Tamara. Aber in Rafael Moríns perfektem Leben gibt es ein paar verdächtige Momente, die genauer zu untersuchen sich lohnt. Dabei muss sich Mario Conde der verlorenen Liebe zu Tamara stellen – und gleichzeitig den Träumen und Illusionen seiner eigenen Generation.

Dies ist der vierte Band des "Havanna-Quartetts", der vier in sich abgeschlossenen Bände um den melancholischen Polizisten aus Havanna - die allerdings noch nicht auf deutsch vorliegen.

Uwe Timm auf der Suche nach dem Bruder ... und sich selbst

Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders
160 S., gebunden

Kiepenheuer & Witsch Sept. 2003

3-462-03320-4

16,90 EUR


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Timm: Bruder

unsere Rezension:

Eine einzige Erinnerung ist Uwe Timm an seinen 16 Jahre älteren Bruder Karl-Heinz geblieben; Wie er von dem auf Heimaturlaub Weilenden durch die Luft gewirbelt wurde. Einige Monate später stirbt der 19jährige Bruder in einem Lazarett in der Ukraine. 1942 hatte sich Karl-Heinz freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet und Uwe Timm, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, hat sich lange mit dem Schatten des Bruders gequält. Erst als Vater, Mutter und Schwester tot sind, fühlt er sich frei, über den unbekannten Bruder zu schreiben. Entstanden ist ein ungemein nachdenkliches, ein weises und trauriges Buch, das mich sehr berührt hat.
''Am Beispiel meines Bruders'' hat Uwe Timm seinen Bericht genannt. Der auf den ersten Blick rätselhafte Titel (denn wofür soll der Bruder als Beispiel stehen?) zielt wohl auf die immer wiederkehrende Frage nach dem persönlichen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Es ist bewundernswert, mit welcher Akribie und Offenheit der Autor ein Porträt der eigenen Familie in der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit zeichnet. Dass Uwe Timm nicht mit befriedigenden Antworten aufwarten kann, ist nicht erstaunlich. Aber die Fragen, die er stellt, die Fragezeichen, die er setzt, die Vermutungen, die er ausspricht und relativiert, sie sind wichtiger als jede Antwort.
Aus den knappen Tagebucheinträgen des Bruders versucht sich der Autor ein Bild zu machen und er überträgt den eigenen Schmerz beim Lesen und Deuten mancher Zeilen direkt auf den Leser. Zentrale Figur des Buches bleibt dennoch der Vater, eine widersprüchliche Figur, halb Hochstapler, halb Herrenmensch. Ihn hat Uwe Timm als die prägende Gestalt für den Bruder, sich selbst und die Schwester erlebt und so ist ''Am Beispiel meines Bruders'' etwas viel weiter Führendes als die persönliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Timms Familienaufstellung ist keine nette Lektüre. Sie tut weh und ist von quälender Ehrlichkeit. Aber vielleicht macht gerade dies ihre Schönheit aus. (P. Philippi)

...ein liebenswerter jugendlicher Loser

Dirk Wittenborn: Unter Wilden. Roman.
Ins Deutsche übertragen von Hans Wolf.
410 S., kartoniert

btb Verlag - Februar 2005

ISBN: 3-442-73262-x

10,00 EUR

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Wittenborn: Unter Wilden

 

"Es ist schon irre, wenn du sechzehn bist und so gerne wieder jung wärst."

zum Inhalt:
Der junge Finn Earl lebt in New York, zusammen mit seiner dreiunddreißigjährigen Mutter mit ihrer Vorliebe für Kokain und sexuelle Abwechslung. Seinen Vater, Ethnologe im fernen Amazonasgebiet, der die Welt der Wilden erforscht, hat er nie kennen gelernt - nur Briefe an ihn verfasst, voller Träume. Der gewitzte Finn, ein liebenswerter Lügner und sympathischer Loser erzählt uns sein Leben: Als er mit seiner Mutter Liz New York fluchtartig verlassen muss, finden sie Schutz unter den Fittichen eines Massageklienten, dem greisen Milliardär Osborne, dem Liz das Leben gerettet hat. Vlyvalle ist eine Insel der weißen amerikanischen Ostküstenaristokratie, ein goldener Spielplatz für die Superreichen: Hier lernt Finn ein Volk kennen, das fremder, wilder und geheimnisvoller ist als irgendein exotischer Stamm am Amazonas. Finn entdeckt ein neues Leben unter neuen Freunden, findet Zugang zu den Familienclans in Osbornes Reich - und verliebt sich leidenschaftlich in Osbornes Enkelin Maya. Der amerikanische Traum scheint wahr zu werden - bis Finn auf die Verlogenheiten, die Lügen und Laster hinter den Fassaden stößt. Eine dramatische Liebesgeschichte voller Crime lässt Finn Earl schneller erwachsen werden als ihm lieb ist. Bei der Vertreibung aus dem falschen Paradies nimmt er eine Erkenntnis mit: Wahrhaftigkeit ist wichtiger als Geld. Unter Wilden ist ein moderner Entwicklungsroman, der in seinem Witz in der Tradition von Huckleberry Finn steht, ein in schnodderiger Jugendsprache erzähltes Porträt eines Amerikas, dessen Träume Dirk Wittenborn in seinem kunstvollen und komischen Roman entlarvt.
(Quelle: Verlag)

Portrait
Dirk Wittenborn wurde in New Haven/Connecticut geboren und lebt mit seiner deutschen Frau und seiner Tochter in New York. 1977 erschien sein erster Roman Eclipse. Er schrieb Sketche für die US-Fernsehshow ›Saturday Night Live‹ und arbeitet als Drehbuchautor u. a. für 20th Century Fox, Disney und Warner Brothers. 1983 folgte sein zweiter Roman Zoe, der in sechs Sprachen übersetzt wurde. Nach langen Jahren ›schriftstellerischer Abstinenz‹, die von Drogen und einer schweren Herzkrankheit geprägt waren, erschien 2002 Unter Wilden, dessen Verfilmung zur Zeit in den USA vorbereitet wird. Sein für viel Aufsehen sorgender Dokumentarfilm ›Born Rich‹ über die superreichen amerikanischen Twens wird in diesem Sommer auch im Deutschen Fernsehen zu sehen sein.
(Quelle: Verlag)

Ulitzkaja: Sich in harten Zeiten Wahrheit erfinden

Ljudmila Ulitzkaja: Die Lügen der Frauen.
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt.

168 S.; gebunden

Carl Hanser Verlag August 2003
ISBN: 3-446-20360-5

16,90 EUR


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Ulitzkaja: Lügen

 

"Eine literarische Erkundung der weiblichen Lügen, ein Zyklus gewitzter und weiser Geschichten, die alle von der Kunst zu leben handeln."

"Die Lügen der Frauen" ist zwar ein Band mit Erzählungen, die aber alle zusammenhängen und ein Gesamtbild ergeben. Im Mittelpunkt steht Shenja. Shenja ist eine anpackende, mitfühlende Frau, zu der man rasch Zutrauen fasst. Sie kann gut zuhören, sich einfühlen, vielleicht deshalb erzählen Frauen ihr ihre Geschichten. Zum Beispiel Ireen, eine englische Ferienbekanntschaft, erzählt ihr sofort ihre ganze (erfundene) Lebensgeschichte, oder ein 13jähriges Mädchen, eine Verwandte Shenjas, beschreibt ihr Verhältnis zum Vater einer Freundin, alles gelogen, wie Shenja bald rausfindet. Zum Beispiel bei einer Dokumentation über russische Prostituierte in der Schweiz bemerkt Shenja verblüfft, dass jedes Mädchen die gleiche Lügengeschichte über die Kindheit auftischt. Letztlich kann nicht geklärt werden, warum die Frauen lügen, aber ahnen kann man es, es ist eine Kunst des Überlebens. (A. Mantwill)

McCanns Annäherung an eine Lichtgestalt des Balletts: Rudolph Nurejew

Colum McCann: Der Tänzer. Roman
Ins Deutsche von Dirk van Gusteren.
480 Seiten, kartoniert

Rowohlt Taschenbuch Verlag 12/04

ISBN: 3-499-23827-6

9,90 EUR



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McCann: Der Tänzer

zum Inhalt:

Dieses Buch nähert sich einem berühmten Mann: dem Tänzer Rudolph Nurejew, Lichtgestalt des modernen Balletts, kaum sichtbar in all seinem Glanz. Die Lebensdaten sind bekannt, doch McCann interessieren sie nur am Rande. Er lässt den Menschen vor dem Hintergrund seiner Zeit erstehen: diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Kalter Krieg und Erstarrung auf der einen, rauschendes Kultur- und Partyleben auf der anderen Seite. Wie in einem lyrisch choreographierten Tanz nähert McCann sich Nurejew, entfernt sich wieder, um ihn erneut zu finden, zu berühren: bei heimlichen Momenten der Vertrautheit; bei der Rückkehr zu seinen Eltern nach jahrelangem Exil, im Größenwahn, in der Einsamkeit. McCann verweilt bei den privaten, den sprechenden Szenen und spart das Gleißen des Ruhms nicht aus. Es ist die Verwandlung einer Legende in eine greifbare Person durch die Mittel des Romans: poetisch, kraftvoll in Ausdruck und Bewegung, glanzvoll schillernd. Ein literarisches Meisterwerk.
(Quelle: Verlag)

Zauberzunge, Capricorn und Staubfinger...ein Abenteuer für Große und Kleine

Cornelia Funke: Tintenherz.
573 S., gebunden

Cecilie Dressler Verlag - Sept. 2003

ISBN: 3-7915-0465-7

19,90 EUR


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Funke Tintenherz

Nach "Drachenreiter" und "Herr der Diebe" ist dies der neue Roman von Cornelia Funke für alle LeserInnen von 12 bis 99 Jahren.

zum Inhalt:

In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo auf. Er warnt Mo vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt mit Meggie zu ihrer Tante Elinor. Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek, die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht. Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt, eines Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst, sondern auch selbst in große Gefahr gerät...
(Quelle: Verlag)

Izzo erzählt von den Menschen, die aus dieser Welt gefallen sind

Jean-Claude Izzo: Die Sonne der Sterbenden.
Aus dem Französischen von Ronald Voulli.
256 S., gebunden

Unionsverlag - Juli 2003

ISBN: 3-293-00320-6

16,90 EUR

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Izzo: Sonne

zum Inhalt:

Als man den Leichnam des Clochards Titi unter der Bank einer Pariser Metrostation findet, zieht dessen einziger Kumpel Rico Bilanz: Sein Leben ist verpfuscht, er ist geschieden, seinen Sohn darf er nicht mehr sehen, die Wohnung hat er verloren. Rico beschließt, aus dem eisigen Pariser Winter abzuhauen, in den Süden.
Die Menschen, denen er auf dieser Reise begegnet, sind vom Leben besiegt worden: Felix, der ständig einen Fußball mit sich herumschleppt und jeden Zeitbegriff verloren hat. Oder die junge Mirjana aus Bosnien, die völlig abgebrannt in einem alten Haus untergeschlüpft ist und ihren Körper verkauft.
In Marseille versucht Rico, Lea wiederzufinden, seine erste Liebe - und schöpft zum ersten Mal wieder Hoffnung.
(Quelle: Verlag)

Ein Epos der Gegenkultur

Tom Coraghessan Boyle: Drop City.
Roman. Aus dem Amerikanischen von Werner Richter.

528 S., gebunden

Carl Hanser Verlag August 2003

ISBN: 3-446-20348-6

24,90 EUR


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Boyle: Drop City

 

zum Inhalt:

Drop City: So heißt die Hippiekommune, die im Kalifornien der 70er Jahre ihren Traum von einem freien Leben zu verwirklichen sucht. Eigentlich haben sie alles, was sie brauchen: ein großes Grundstück, eine erstklassige Plattensammlung, ein reichhaltiges Sortiment von Halluzinogenen. Doch das Nirwana finden sie trotzdem nicht. Ein Kind trinkt Orangensaft, der mit LSD versetzt ist, eine Minderjährige wird von Kommunemitgliedern vergewaltigt, es kommt zu Handgreiflichkeiten, und der Unrat türmt sich meterhoch, bis der Sheriff einschreitet und droht, das Gelände zu räumen. Also beschließt Norm, der Guru des Stammes, nach Alaska zu ziehen, wo er von einem Onkel eine Hütte geerbt hat. In ihrem alten, mit Drogen voll bepackten Schulbus reisen sie nach Norden, unbehelligt von den kanadischen Grenzern, denen sie weismachen, sie seien die Greatful Dead auf Tournee.
Unter dem polaren Himmel kommt es zur Kollision zweier Kulturen: Die ortsansässigen Jäger und Trapper sind nicht erbaut über die Fremdlinge, und als der Winter anbricht, geht es nicht mehr darum, wie man mit tödlicher Langeweile fertig wird, sondern wie man dem Hungertod entflieht.

T. C. Boyle, geboren 1948 in Peekskill, N.Y., unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles.

(Quelle: Verlag)

Im Taschenbuch: Jose Saramagos Roman "Das Zentrum"

Jose Saramago: Das Zentrum.
Aus d. Portugiesischen von Marianne Gareis.
400 S., kartoniert

Rowohlt Taschenbuch Verlag
September 2003

ISBN: 3-499-23330-4

9,90 EUR

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Saramago: Zentrum

zum Artikel bei LIBRI.de

zum Inhalt
Der alte Cipriano Algor betreibt mit seiner Tochter Marta in einem portugiesischen Dorf eine kleine Töpferei. Seine Teller, Tassen und Krüge verkauft er an ein hypermodernes Einkaufszentrum in der Stadt. Eines Tages wird ihm lakonisch mitgeteilt, dass Plastik besser sei als Ton und dass man künftig auf seine Dienste verzichten könne. Der Markt will es so. Doch der Markt hat seine Rechnung ohne Cipriano gemacht. Der weise Alte wehrt sich, stellt in Frage und lernt, dass es nie zu spät ist zu Neuem aufzubrechen. Er hat eine geniale Idee, um die modernen Zeiten auf der Überholspur einzuholen. Bei deren Umsetzung helfen ihm die reizvolle Witwe Isaura, sein pfiffiger Schwiegersohn Marçal und ein zugelaufener Hund. Doch der Mensch, sagt Platon, sieht nie die Dinge selbst, sondern stets nur ihre Schatten. Als unter dem Einkaufszentrum die Erde für eine neue Kühlanlage ausgehoben wird, entdeckt Cipriano eine Höhle und betritt eine wundersame Welt.
(Quelle: Verlag)

jetzt im Taschenbuch: Ein magischer, hochspannender Roman, der die Seele Tibets einfängt


Eliot Pattison: Das Auge von Tibet.
Aus dem Amerikanischen von Thomas Haufschild.

Aufbau Taschenbuch Verlag
September 2003 - Taschenbücher - 696 S.

ISBN: 3-7466-1984-X

10,00 EUR

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Pattison: Auge

zum Inhalt:

Früher hat Shan ein unbescholtenes Leben in Peking geführt - bis er bei der Partei in Ungnade fiel und nach Tibet in ein Straflager verbannt wurde. Es gelang ihm jedoch, zu fliehen und in einem geheimen Kloster Unterschlupf zu finden. Seither lebt er in der Gesellschaft der Mönche und wartet darauf, das Land mit Hilfe der Vereinten Nationen verlassen zu können. Als das Kloster die Botschaft erhält, eine Lehrerin sei getötet worden und ein Lama verschwunden, wird Shan, der Ermittler, in den Norden geschickt.
Zusammen mit einem Mönch, einem Widerstandskämpfer und einem alten Tibeter soll er den Mord an der Lehrerin aufklären. .
Doch auch die chinesischen Besatzer haben schon ihre Brigade, eine Art Geheimpolizei, entsandt, der Shan auf keinen Fall in die Hände fallen darf. Mit der Hilfe von Jakli, einer jungen Kasachin, findet Shan heraus, daß nach offizieller Version die Lehrerin nicht ermordet, sondern ertrunken sein soll. Muslimische Widerstandskämpfer jedoch haben ihren Leichnam geborgen und in eine Eishöhle gebracht. Ein Blick auf die tote Lehrerin beweist, daß die Chinesen lügen. Die Frau ist erschossen worden. Doch was bezwecken die Chinesen mit ihrem falschen Spiel? Als Shan erfährt, daß auch zwei Schüler der Lehrerin getötet worden sind, weiß er endgültig, daß er hinter das Geheimnis dieser Bluttat kommen muß.
(Quelle: Verlag)

Ein magischer, hochspannender Roman, der die Seele Tibets einfängt. Eliot Pattison wurde in den USA mit dem begehrten Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet.

jetzt im Taschenbuch: Die Spezies Männer wird besichtigt

Dietrich Schwanitz: Männer.
Eine Spezies wird besichtigt

Taschenbuch, 384 Seiten

Goldmann Verlag
ISBN: 3-442-15170-8

9,90 EUR

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Schwanitz: Männer

zum Inhalt:

Der Mann ist in der Krise. »Neue Männer braucht das Land« lautete vor zwanzig Jahren der Schlachtruf der Feministinnen, doch ist seitdem keine Ruhe und Zufriedenheit an der Geschlechterfront eingekehrt. Männer, egal ob Chauvis oder Softis, können es Frauen einfach nicht recht machen. Mal sind sie zu weichlich, mal zu egozentrisch, mal wollen sie Karriere und keine Familie, mal nur schnellen Sex ohne Gefühle, dann aber wieder verlangen sie absolute Loyalität und sehen in allen Frauen nur eine Inkarnation der ewigen Mutter und Versorgerin. Während in den vergangenen Jahren zahllose Bücher die Frau von allen Seiten untersucht haben, ist der Mann ein unbekanntes Wesen geblieben, ein rätselhafter, verschlossener Block, unerziehbar und gerade deshalb für Frauen so anziehend. Doch auch sich selbst ist der Mann im neuen Jahrhundert ein Rätsel - die alten Rollenmuster sind passé, und in der Epoche des anything goes ist auch die männliche Identität dauernden Veränderungen unterworfen. Was also ist der Mann?

Dietrich Schwanitz beantwortet die Frage auf fulminante Weise. Sein Buch ist ein Reiseführer in einen dunklen Kontinent, eine provokative Polemik und die schon lange fällige Abrechnung mit falschverstandenen weiblichen Forderungen, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl neuer Gräben zwischen den Geschlechtern gerissen haben. Dietrich Schwanitz' ebenso intelligente wie sensible Selbstbefragung macht sein Buch zu einem herausragenden Ereignis des Bücherjahres 2001.

Für alle Frauen, die wissen wollen, wie Männer ticken! Für alle Männer, die wissen wollen, warum sie so sind, wie sie sind!

(Quelle: Verlag)

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