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Jetzt im Taschenbuch: Judith Hermann

Judith Hermann: Nichts als Gespenster.

Erzählungen
broschiert

Fischer Taschenbuch Verlag Mai 2004
ISBN 3-596-15798-6

8,90 EUR

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Hermann: Gespenster

In »Nichts als Gespenster« entfaltet Judith Hermann den ihr eigenen »unwiderstehlichen Sog« und »unergründlichen Bann« (Neue Zürcher Zeitung) intensiver noch als zuvor. »Nichts als Gespenster« - große deutsche Gegenwartsliteratur.

Klappentext:
Von Jonina und Magnus, von Owen und Sikka, von Ruth und Raoul erzählen Judith Hermanns Geschichten, von Norwegen, Nevada, Prag, Karlsbad und Island. Sie erzählen vom Lieben und Reisen und davon, wie sich Lieben und Reisen auf wundersame Weise ähnlich sind. Mit großer literarischer Meisterschaft entfaltet Judith Hermann den ihr eigenen "unwiderstehlicher Sog" und "mächtigen Zauber" noch intensiver als zuvor.

Judith Hermann, geboren 1970 in Berlin, journalistische Ausbildung und Zeitungspraktikum in New York. 1997 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste. Buchveröffentlichungen. Auszeichnungen 1998 Literaturförderpreis der Stadt Bremen, 1999 Hugo-Ball-Förderpreis und 2001 Kleist-Preis. Die Autorin lebt und arbeitet in Berlin.

Deutsch-jüdisches Leben nach 1945

Viola Roggenkamp: Familienleben.
Roman
Gebunden 437 Seiten

Arche Verlag, 2004
ISBN 3716023256


23,00 EUR

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Roggenkamp: Familienalbum


Klappentext:
Hamburg, 1967. Eine alte, abbruchreife Villa im feinen Harvestehude. Fania Schiefer, dreizehn Jahre alt, findet sich nicht zurecht, weder in ihrer deutschen Muttersprache noch in ihrer deutschen Vaterstadt.Ihre jüdische Mutter hat mit Hilfe des Vaters die Nazizeit überlebt. Jeden Montagmorgen wird Paul Schiefer, Vertreter für Brillengestelle, mit Winken und Küssen verabschiedet und jeden Freitag ebenso überschwenglich von seiner Frau , den beiden Töchtern und seiner Schwiegermutter wieder empfangen. Während der Woche wacht Alma Schiefer liebevoll-unerbittlich über das Leben ihrer Familie, in der Weinen und Lachen, übergroße Nähe und der Wunsch nach Trennung miteinander verknüpft sind. Aus der Enge und Verzauberung der familiären Innenwelt findet die Ich-Erzählerin Fania leise ihre Spur nach draußen.

Möchten Sie mehr zu Viola Roggenkamps erstem Roman lesen?
Bei Perlentaucher sind Besprechungen der Zeit, der FR und der FAZ zusammengefasst

Zweimal hinschauen: 4000 Tage BRD

Moritz Bauer / Jo Wickert:
Vorwärts immer, rückwärts nimmer
4000 Tage BRD
200 Seiten, 60 farbige und 126 s/w Abb.
17 x 17 cm, gebunden

Nicolai 2004
ISBN 3-89479-131-4

Eur 14,90

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Bauer: Vorwärts


4000 Tage nach der deutschen Einheit haben sich Moritz Bauer und Jo Wickert aufgemacht, um zu überprüfen, ob und wie sich die ehemalige DDR von Sassnitz bis Dresden seit dem Fall der Mauer gewandelt und verändert hat.
Punktgenau suchten sie dabei Orte auf, die sie zwölf Jahre zuvor bereits fotografiert hatten. Sie hatten sich die Koordinaten des Satelliten-Navigations-Systems GPS notiert, mit dem sich jeder beliebige Ort exakt wiederfinden lässt – auch wenn er sich völlig verändert haben sollte.
Entstanden ist auf diese Weise eine einzigartige Serie von Gegenüberstellungen unterschiedlichsten Charakters: Stadtansichten, Straßenzüge, einzelne Gebäude, aber auch viele Details und scheinbar nebensächliche Szenen werden nach zwölf Jahren wiederbesichtigt – mit oft verblüffenden Ergebnissen.
Ein Buch, in dem genau hingesehen wird und das selbst wiederum zum genauen Hinsehen auffordert, das durch seine Perspektiven und Standpunkte besticht.
Ein Buch, das vielfach überrascht, zum Nachdenken anregt, und auch zum Lachen reizt.
Eine soziologische Studie, und zugleich eine Reflexion über Erscheinungen der Alltagskultur, des Designs, der Ästhetik.
Ein Blick auf Zeitgeschichte in Deutschland und selbst ein historisches Dokument.
Eine uneindeutige und deswegen wahrhaftige Antwort auf die Frage, wie sich die ehemalige DDR verändert hat und verändert. (Verlagswerbung)

Die Webseite zum Projekt: www.vorwaerts-rueckwaerts.de

Wie sind wir so geworden?

Axel Hacke: Deutschlandalbum

256 Seiten gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen Fotos
Kunstmann Verlag 2004


ISBN 3-88897-347-3

19,90 EUR

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Hacke: Deutschlandalbum


Also, die Idee war, ein Album über Deutschland anzulegen, mit Fotos und kleinen Geschichten, manchmal nur einem Satz oder einem Bild. Man tut das ja mit der Familie auch, fotografiert die Kinder und die Alten, schreibt ein bisschen was dazu… Später schaut man alles an, lacht und staunt und ist gerührt und sagt: So war das. Hatte ich schon ganz vergessen. Das fängt ganz harmlos an, und doch dient es der Frage: Was macht uns eigentlich aus? Wie sind wir so geworden? Und was verbindet uns? Was ist trennend? Axel Hacke ist dafür zum einen hinaus gefahren nach Deutschland, hat sich hinweg begeben von all dem Weltgebrumme, dem infernalischen Lärm der "Medien", dem Leben aus zweiter Hand. Hat Leute besucht, sich ihren Alltag angesehen, Geschichten gesammelt, sich vom Zufall leiten lassen. Das ist ganz subjektiv, und doch steckt darin das Allgemeine. Das ganze Land. (Verlagswerbung)

Auf den Seiten des Kunstmann Verlages gibt's eine Leseprobe

Wie funktioniert eigentlich Deutschland?

Hans Zippert:
So funktioniert Deutschland
Ein Handbuch
Mit Illustrationen von Brigitta García-López
144 Seiten

Sanssouci Verlag 2004
3-7254-1306-1

13,90 EUR

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Zippert: So


Wer zum ersten Mal einen Blick auf Deutschland wirft, mag sich kaum vorstellen, dass dieses merkwürdige Gebilde aus Autobahnen, Doppelhaushälften und Einkaufszonen überhaupt funktionieren kann. Wie passt das alles zusammen, wer hält es in Gang und warum ist eine Mülltrennung ohne Scheidungsanwalt möglich?
Die meisten Deutschen finden Berlin auf der Landkarte und wissen, dass der Rhein nicht ins Schwarze Meer fließt. Aber wissen wir, wie Deutschland wirklich funktioniert?

Hans Zippert, Reisejournalist und ein bekannter Kolumnist, erklärt es uns: "So was glaubt man in Deutschland" (Ostern, Waldorfschule, Sommerzeit), "So wird Deutschland regiert" (TÜV, Stiftung Warentest, Aldi) und "So bewegt man sich in Deutschland" (Bahn, Birkenstock, Fitness-Studio). Das endgültige Handbuch für alle, die über den deutschen Alltag noch lachen können! (Verlagswerbung)

Jetzt im Taschenbuch: Willemsens Deutschlandreise

Roger Willemsen: Deutschlandreise.
207 S., kartoniert

Fischer Taschenbuch Vlg.
April 2004

ISBN: 3-596-16023-5

8,90 EUR

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Willemsen: deutschlandreise


Wochenlang reiste Roger Willemsen im Sommer 2001 und im Frühjahr 2002 durch Deutschland und berichtet von seiner Entdeckungsfahrt, die kreuz und quer von Kap Arkona bis nach Konstanz, von Bonn nach Berlin, von Oberstdorf nach Rostock führte. Aus seinen Beobachtungen, Begegnungen und Erfahrungen entwirft er ein facettenreiches Deutschlandbild, in dem wir uns selbst wiederfinden können.
Ob an den Graffiti in der Rostocker Uni, bei Schachspielern an der Brücke von Remagen, auf dem Parkplatz am Kreidefelsen von Rügen, bei einer Abitursfeier in Bonn oder im Umkleideraum eines Supermarkts in Mönchengladbach – Willemsen sucht nicht die große politische Sensation oder die rührende persönliche Geschichte; er sucht etwas, das man schwer findet, weil es perfekt getarnt ist, es liegt nämlich überall offen da – die Normalität.
Mit der unersättlichen Neugier des Forschers und dem vorurteilslosen Blick des Ethnologen notiert er, was dieses seltsame Land ihm darbietet – an Leben, an Städten, an Redensarten, Gewohnheiten, Werbesprüchen, an zu persönlichem Schicksal geronnener Geschichte, an Vergeblichkeiten und kleinen Triumphen. Aus der Summe all dieser Einzelteile setzt Roger Willemsen etwas zusammen, das nicht mehr und nicht weniger ist als das mentale Polaroid einer ganzen Nation. (Verlagswerbung)

Eine Erzählung aus dem Wirtschaftswunderland Deutschland

Johannes Kühn:
Ein Ende zur rechten Zeit.
Erzählung
Mit einem Nachwort von Wilhelm Genazino
114 Seiten, gebunden

Hanser Verlag 2004

ISBN 3-446-20459-8

14,90 EUR

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Kühn: Ende


Deutschland in den fünfziger Jahren: Auch in einem abgelegenen Kleinbetrieb wird die Arbeit schon vom Maschinentakt bestimmt. Der junge Mann, der hier in den Semesterferien arbeitet, muss die Erfahrung machen, dass es die Idylle nicht mehr gibt. Er fleiht in die Natur - und erschrickt, weil ihm nun auch diese fremd zu werden beginnt.

Johannes Kühn erzählt eine Geschichte, die aus einer anderen Epoche zu uns zu kommen scheint, und die doch erst heute wirklich verstanden werden kann. In einem Augenblick, wo ein ganzes Land vom "Wirtschaftswunder" träumte, vom Fortschritt und von der alles erfassenden, wunderbaren Technik, da spürte der Außenseiter Kühn bereits die Wunden und Verluste: der vermeintlich Rückständige war der wirklich Klarsichtige.

Johannes Kühns Erzählung besitzt die eigentümliche, unverwechselbare Sprache, die an seinen Gedichten seit lamgem gerühmt wird - altmodisch und modern zugleich, mit einem Wort: zeitlos.
(Klappentext)

Jetzt im Taschenbuch: McCarthys rasante Irlandreise

Pete McCarthy:
McCarthy's Bar
Mein ganz persönliches Irland
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
387 S., kartoniert

Piper Taschenbuch Verlag 2004

ISBN 3-492-24041-0

9,90 EUR

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McCarthys Bar

Unsere Rezension:
Kann es eine in den Genen liegende Verbundenheit mit Irland geben? Dies fragt sich Pete McCarthy, dessen Mutter Irin und dessen Vater Engländer ist. Aufgewachsen in Nordengland, kennt er Irland nur von den Ferienzeiten als Kind. Nun, eine Reise durch Irland hilft vielleicht bei der Klärung dieser Frage.
County Cork ist hauptsächliches Reisegebiet. McCarthy übernachtet in Bed & Breakfast oder Klöstern, geht in Pubs, bevorzugt - gemäß der von ihm selbst aufgestellten 8. Reiseregel (Lauf niemals an einer Kneipe vorbei, die deinen Namen trägt) – wenn sie McCarthy's heißen. Er kauft sich Proviant in kleinen Läden, bevorzugt, wenn die Besitzer McCarthy heißen, setzt bei Pferdewetten, bevorzugt bei Buchmachern, die McCarthy heißen. Er wandert durch die Landschaft, bevorzugt von den englischen Gartenplanern verschonte Landstriche, sucht und findet Steinkreise, besucht Ruinen und Klöster. Er beobachtet die Leute, kommt mit ihnen ins Gespräch, sammelt ihre Geschichten.

Das Buch ist gespickt mit Einblicken in die irische Geschichte, in irische Eigenheiten. Man lernt viel über das gegenwärtige (der irische Tiger) und das historische (geprägt durch die Armut) Irland und alles in einer kurzweiligen, unaufdringlichen, aber klugen Art. Die Tatsache der gemischten anglo-irischen Abstammung erlaubt dem Autor auf sympathische Weise, angeblich typische englische oder irische Klischees auf die Schippe zu nehmen. Z.B. die Gesprächigkeit der Iren, wenn man als Reisender etwa nur nach dem Weg fragen will - und als Engländer eine knappe Auskunft erwartet - und am Ende des Gesprächs ganze Lebensgeschichten erfahren hat.

In Irland trifft jeder Reisende naturgemäß viele Touristen aus verschiedensten Ländern – auch diese kriegen ihr Fett weg mit ihren landestypischen Schrullen. Z.B. trifft McCarthy einen deutschen Taxifahrer, der Irland als Wahlheimat auserkoren hat, wegen der „sorglosen Unvollkommenheit“. Diese hat aber offensichtlich nicht auf ihn abgefärbt, er ist ein ganz pedantischer Mensch.

Das Buch ist voller kurzweiliger Episoden und Anekdoten, amüsant, pointiert und klug erzählt. Am Ende seiner Reise glaubt man Irland besser zu kennen, auch wenn man nur mit dem Finger auf der Landkarte die Orte, Landstriche, Küsten und Inseln bereist hat, und man liebt Land und Leute vielleicht ebenso sehr wie der Autor, obwohl es beim erlauchten Leser oder der Leserin gar nicht von den Genen kommen kann. (A. Mantwill)

Vom Verlust der Unschuld

Jeffrey Eugenides: Die Selbstmord-Schwestern.
Roman.
Deutsch von Mechthild Sandberg-Ciletti

256 S., Taschenbuch

Rowohlt Taschenbuch Verlag

ISBN: 3499234297

8,90 EUR

 

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Eugenides: Selbstmord...

Unsere Rezension:

Welch ein verstörend schönes Buch! "Die Selbstmord-Schwestern" von Jeffrey Eugenides ist eines dieser leisen Bücher, die sich in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser stehlen und deren Wirkung nur unzureichend erklärbar ist. Melancholisch und zärtlich erzählt Eugenides von den Lisbon-Schwestern Therese, Mary, Bonnie, Lux und Cecilia, die durch den Selbstmordversuch der Jüngsten in den Mittelpunkt des Interesses einer Gruppe von Halbwüchsigen rücken. Anfang der 70er Jahre in einer gepflegten Vorortstraße ist die Welt noch in Ordnung und Cecilias Suizidversuch wirft einen Schatten der heraufziehenden Veränderungen und Katastrophen.

Aus den Schatten heraus beobachten die Jungen das Haus der Lisbon-Familie in einer Mischung aus Faszination und Verwunderung. Desto unhaltbarer die Position der Schwestern wird, desto hilfloser scheinen die Rettungsversuche der Jungen. Vielleicht ist auch die unheimliche Lust am Untergang der wahre Grund für ihren Voyeurismus.
Der Verlust der Unschuld ist Eugenides' eindringlichstes Thema und der bezieht sich vielleicht mehr auf die anonym bleibenden Chronisten als auf die Schwestern selbst. Dieser Roman erzählt eher ein Gefühl als eine Geschichte und Eugenides findet offensichtlich genau die richtigen Worte.
Mich hat "Die Selbstmord-Schwestern" an Stewart O'Nans Meisterwerk "Engel im Schnee" erinnert und das ist als großes Kompliment zu verstehen. (P.Philippi)

"Nacht des Orakels" - Eine Nebelwanderung mit Paul Auster

Paul Auster: Die Nacht des Orakels
Roman
Deutsch von Werner Schmitz

272 S., kartoniert
Rowohlt Verlag 2004


ISBN 3-499-23987-6

8,90 EUR

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Auster: Nacht

Unsere Rezension:

Mit kräftigen Vorschusslorbeeren wurde Paul Austers Buch "Nacht des Orakels" bedacht und es ist in der Tat ein kraftvolles Buch. Von einer Genesung erzählt Auster und in gewisser Weise von einer Läuterung, die seinem Schriftstellerkollegen Sidney Orr widerfährt. Nach langer schwerer Krankheit erschließt sich Orr auf kleinen Spaziergängen wieder seine New Yorker Umgebung. Bei einem seiner Ausflüge entdeckt Orr einen winzigen Laden, der sich Paper Palace nennt, wo ihm ein seltsamer Chinese ein wunderschönes blaues Notizbuch verkauft.

Kaum wieder zuhause angekommen, beginnt Orr mit dem Entwurf einer Geschichte, die ihm schon lange vorschwebte. Seine Schreibhemmung scheint überwunden und wie im Rausch taucht der Schriftsteller in seine Geschichte ein. Voller Schaffensdrang prescht Orr vorwärts in seiner Erzählung und seiner Genesung aber schließlich schreibt er seinen Romanheld in eine schier aussichtslose Situation. Auch in seinem wirklichen Leben geschehen beunruhigende Dinge; Seine Frau Grace benimmt sich seltsam und sein engster Freund und Schriftstellerkollege scheint die eigene Krankheit nicht ernst zu nehmen. Seltsam auch, dass Orr trotz emsiger Suche den Paper Palace nicht mehr finden kann. Wie im Traum bewegt er sich plötzlich durch eine Welt, die ihm fremd geworden scheint.

"Nacht des Orakels" ist mehr als ein typischer Auster-Roman. Wie immer spielen die Wendungen des Zufalls und des Glücks ihre Rolle, wie immer gibt es Geschichten in Geschichten. Aber in diesem Roman hat Auster seine Geschichte mit all ihren Winkelzügen sehr viel strenger komponiert, als es ihm in manch schwächeren Büchern gelungen ist. Hier liefert der Autor ein beispielhaftes Buch über das Schreiben, über das Leben, die Liebe und den Tod, das ihm vielleicht kaum noch jemand zugetraut hätte. Ein Buch mit Gehalt sozusagen und eins mit Stil dazu. (P. Philippi)

Ein spannender stimmiger Roman

Michael Frayn: Das Spionagespiel
Roman.
Aus dem Englischen von Matthias Fienbork
224 Seiten, Hardcover
Hanser Verlag 2004
ISBN 3-446-20455-5

19,90 EUR

 

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Frayn: Spionagespiel

Mitten im Krieg spielen zwei Kinder Krieg - das einzige Grundstück, das in dem stillen englischen Villenvorort von einer Bombe getroffen wurde, bietet Keith und Stephen ein ideales Versteck. Von hier aus versuchen sie, die trügerische Ordnung der bürgerlichen Welt zu entlarven: im scheinbar harmlosen Nachbarn erkennen sie einen vielfachen Mörder, im Boden unter ihnen vermuten sie Geheimgänge, und ein leer stehendes Haus kommt ihnen höchst verdächtig vor. Und dann stellt Keith fest, dass seine Mutter eine deutsche Spionin ist. Die beiden Jungen beschatten sie von nun an auf Schritt und Tritt. Doch auf einmal entwickelt ihr Spiel eine unheimliche Dimension: Keiths schöne, kultivierte Mutter hat nämlich tatsächlich etwas zu verbergen ...
Mit großer Meisterschaft und sparsamen Mitteln macht Frayn feinste psychische Begegnungen, komplizierte Beziehungen und schleichende Veränderungen in diesen Beziehungen sichtbar. (Verlagswerbung)

von Michael Frayn ist auch "Das verschollene Bild" (siehe unsere Rezension)

Skepsis gegenüber vermeintlich absoluten Wahrheiten

Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken.
Aus dem Amerikanischen von Michael Zillg.
406 S., kartoniert

Berliner Taschenbuch Verlag 2004

ISBN: 3-8333-0041-8

10,50 EUR

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Gigerenzer

Unsere Rezension:

In den deutschen Medien ist Prozent angeblich eins der am häufigsten verwendeten Substantive. Bei einer Umfrage sollte angegeben werden, was die Aussage 40 Prozent bedeutet. Drei Möglichkeiten standen zur Auswahl: a) ein Viertel; b) jeder vierzigste; c) 4 von 10; ein Drittel der Befragten gab eine falsche Antwort! Zahlenblindheit scheint also weit verbreitet zu sein. Gefährlich wird es dort, wo sie für die eigenen Zwecke, z.B. in der Politik (siehe BSE,) missbraucht wird oder wenn in der medizinischen Beratung Ärzte nicht in der Lage sind, Ergebnisse richtig zu interpretieren. Patienten ziehen die Diagnosen der Ärzte in der Regel nicht in Zweifel. Dies hängt auch mit dem Bedürfnis nach der absoluten Wahrheit zusammen. Gigerenzer bezeichnet dies als die Illusion der Gewissheit. Eine hundertprozentige Gewissheit ist aber eine empirische Unmöglichkeit.

An Hand einer Studie des Autors sollte folgende diagnostische Aufgabe am Beispiel der Früherkennung von Brustkrebs gelöst werden:"(...) In einer bestimmten Gegend liegen folgende Angaben über Frauen zwischen 40 und 50 vor, bei denen sich keine Symptome zeigen und die am Screening (Reihenuntersuchung) teilnehmen: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine dieser Frauen Brustkrebs hat, beträgt 0,8 Prozent. Wenn eine Frau Brustkrebs hat, beträgt die Wahrscheinlichkeit 90 Prozent, dass ihr Mammogramm positiv ausfällt. Wenn eine Frau jedoch keinen Brustkrebs hat, beträgt die Wahrscheinlichkeit 7 Prozent, dass ihr Mammogramm dennoch positiv ausfällt. Angenommen, bei einer Frau ist das Mammogramm positiv. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich Brustkrebs hat?" Gigerenzer nennt das vernebelte Information.
Und genauso sahen auch die Antworten der Ärzte aus: 1/3 schätzte die Wahrscheinlichkeit auf 90 Prozent; 1/3 auf 50 Prozent und 1/3 auf 10 Prozent oder weniger. Der Mittelwert lag bei 70 Prozent. Patientinnen wären äußerst beunruhigt, wenn sie von diesen Diskrepanzen wüssten.
Abhilfe schafft nach Gigerenzer das Arbeiten mit natürlichen Häufigkeiten. Das sähe dann so aus: "Von jeweils 1000 Frauen haben 8 Brustkrebs. Von diesen 8 Frauen mit Brustkrebs werden 7 ein positives Mammogramm haben. Von den übrigen 992 Frauen, die keinen Brustkrebs haben, werden rund 70 dennoch ein positives Mammogramm haben.(...)."
Daraus lässt sich leicht ableiten: nur 7 von 77 Frauen mit positiven Mammogramm haben auch Brustkrebs (1 von 11, entspricht ca.9 Prozent). Bei einer Vergleichsgruppe von Ärzten, denen die natürlichen Häufigkeiten vorgegeben waren, lag die Mehrzahl mit der Antwort richtig oder wenigstens annähernd.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Autor bei seiner Untersuchung über Aids-Beratung. Die Mehrzahl der Berater stritt rundweg ab, dass es falsch-positive Ergebnisse gibt (positiver Test trotz nicht vorliegender HIV-Infektion). Es ist also wichtig, sowohl dem Arzt sowie dem Patienten die Illusion der Gewissheit zu nehmen. Unwissenheit über die jeweiligen Risiken und missverständliche Kommunikation darüber sowie falsche Schlussfolgerungen aus statistischen Werten sind die Ursachen der Zahlenblindheit. Im Weiteren beschäftigt sich der Autor noch mit Sachverständigen im Gerichtssaal, dem genetischen Fingerabdruck, Gewalttätigkeiten und wie man andere hinters Licht führt. (E. Beth)


Wie funktioniert eigentlich Deutschland?

Lutz Schulenburg (Hg.)
Seien wir realistisch, versuchen wir das unmögliche!
Rebellische Widerworte
Originalveröffentlichung
Broschiert, 160 Seiten

Edition Nautilus 2004

ISBN 3-89401-437-7

9,90 EUR

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Seien wir realistisch

Verlagswerbung:
Die handliche subversive Fibel für eine menschliche Alternative zu den globalen politischen und sozialen Verhältnissen. Polemisches, Kritisches und Ironisches – aus Aufrufen, Erinnerungen, Liedern, Berichten und Erzählungen.

Dieser Band präsentiert das aufrührerische Denken bis in die jüngste Gegenwart. Zeugnisse von allen Kontinenten, kurze oder längere Textpassagen aus Manifesten, Flugblättern, Erinnerungen und Berichten. Rebellische Vorstellungen, die sich der Selbstgefälligkeit widersetzen und alternative Sichtweisen zu den herrschenden Verhältnissen propagieren. Individuelle und kollektive Äußerungen; flüchtige, polemische, tastende, entschlossene, kühne, ironische, emotionale und gelegentlich sogar lyrische Stimmen.

Einige Beiträger dieser subversiven Fibel: Charles Fourier, Bernadette Devlin, Billy Bragg, Kommune I, Attac, Frantz Fanon, Max Hölz, Raoul Vaneigem, Ton Steine Scherben, American Indian Mouvement, Emma Goldmann, Oswaldo Bayer, Situationistische Internationale, José Bové, Carl Einstein, Vera Broido, André Breton, Thomas Müntzer, Zapatisten, Flora Tristan, Gaston Leval, Groucho Marx, Edelweiß-Piraten, Manu Chao, Nestor Machno, Black Panther, José Saramago, Mary Low, Raoul Hausmann, Pablo Neruda, Maurizio Maggiani, Che Guevara, Joe Hill, Mika Etchéhère, Subcomandante Marcos, Gruppe Spur, Franz Jung, James Carr, Arundhata Roy, Franz Pfemfert, Patrice Lumumba, Larissa Reissner, Bewegung 2. Juni, Ernst Toller, Dada-Manifest 1918, Jack London, Stefano Benni, Lawrence Ferlinghetti, Angela Davis, IWW Manifest, Sex Pistols, RAWA, Sophie Scholl, Chumba Wamba, Paco Ignacio Taibo II, Woody Guthrie, Inge Viett u.v.a.m.

An dieser Stelle möchten wir dem Verlag für den Kurt-Wolff-Preis 2004 gratulieren

Das Kuratorium der Kurt-Wolff-Stiftung vergibt den mit 26.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis 2004 an den Hamburger Verlag Edition Nautilus, der sich seit fast dreißig Jahren einem Programm zwischen anspruchsvoller Literatur (z.B. "Kleine Bücherei für Hand und Kopf"), außergewöhnlichen Biographien (z.B. Billie Holiday, Van Gogh) und der Pflege der Franz-Jung-Werkausgabe widmet. (Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels)

-->Edition Nautilus

Rebel, Rebel...

Hg. von Ulf Müller / Michael Zöllner
Rebel Yell
Ein literarisches Rebellencamp

Berichte und Drogengeschichten
Polemiken und Geschichten
224 Seiten, zahlr. Abb., broschiert

Tropen Verlag 2004

ISBN 3-932170-69-5

12,80 EUR

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Rebel Yell

Verlagswerbung:

"Ich empöre mich, also sind wir“, schreibt Albert Camus, für den sich in der Rebellion eine der wesentlichen Dimensionen des Menschen offenbart: die Überwindung der eigenen Sprachlosigkeit angesichts gesellschaftlicher Repression.
Oftmals waren es Schriftsteller, die als erste aufgeschrien und Stellung bezogen haben, wenn sie den Raum der individuellen Freiheit bedroht sahen. In „Rebel Yell“ kommen die wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts zur Sprache, die sich in Wort und Tat den scheinbaren Selbstverständlichkeiten unserer modernen Welt widersetzt haben. So unterschiedlich die politischen Standpunkte sind, halten die versammelten Polemiken und Geschichten durchgehend den Moment des Aufschreis fest, der mal ohrenbetäubend laut und festentschlossen ist wie bei Jack London und André Malraux, mal leise und überlegt wie bei Che Guevara und Bruce Chatwin, mal voll subversivem Spott wie bei Henry Miller und William S. Burroughs, mal kämpferisch und leidenschaftlich wie bei Ulrike Meinhof und Pier Paolo Pasolini, mal ironisch wie bei Ilja Ehrenburg und Edward Limonow, mal überdreht wie bei Antonin Artaud und Allen Ginsberg, mal geknebelt wie bei Ernst Jünger oder stumm wie bei Sylvia Plath.
Doch egal wie kraftvoll, nie gleicht dieser Schrei einem Siegesgeheul, immer ist er sich der Möglichkeit bewußt, von der Gesellschaft ungehört zu verhallen.

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