|
unsere Rezension: Das Jahr 1666 war nicht nur für die damalige Christenheit ein zu
erwartender Super GAU, ist doch die dreifache Sechs die Zahl des Tiers
und damit des Teufels. Schon damals haben sich Fanatiker und Gläubige
wenig an Details gestört: Immerhin handelte es sich um das Jahr 1666
und nicht 666.
Der Held in Amin Maaloufs Roman 'Die Reisen des Herrn Baldassare', besagter
Herr Baldassare, hält sich selbst für einen krtitischen Geist,
aber vielleicht ist ja doch etwas dran an der schaurigen Untergangsstimmung?
Baldassare Embriacos Vorfahren stammen aus Genua, aber er selbst hat sich
als Kuriositätenhändler und Antiquar im libanesischen Gibelet
einen Namen gemacht. Dort spielt ihm das Schicksal ein Buch in die Hände,
das angeblich den verborgenen hundertsten Namen Gottes enthält, dem
gewaltige Kräfte zugeschrieben werden. Unglücklicherweise verliert
Baldassare das Buch, an dessen Echtheit und Zauberkraft er eh zweifelt,
so schnell, wie er es gewonnen hat.
Schon bald steigen Zweifel in dem überzeugten Skeptiker auf. Steht
nicht doch die Apokalypse bevor und könnte der hundertste Name Gottes
sich nicht als letzter Rettungsanker in der Not erweisen? Jeder Reisende
erzählt schließlich von drohenden Zeichen und Vorboten des
Unglücks...
Begleitet von seinen beiden Neffen, einem Taugenichts und einem religiösen
Eiferer, bricht Baldassare auf, um das Buch wieder in seinen Besitz zu
bringen. Über Smyrna, Konstantinopel, Genua, Lissabon und London
führt die Reise und Amin Maalouf entführt den Leser nicht nur
eine längst vergangene Zeit. Baldassares Tagebuch, dem er seine geheimsten
Gedanken anvertraut, gibt Zeugnis von den Zweifeln und Nöten eines
aufgeklärten Menschen, der sich der Hysterie und Unruhe seiner Umwelt
nicht entziehen kann. Nebenbei ist Maalouf ein sehr spannendes Buch gelungen
mit Schmugglern, falschen Propheten, Liebeshändeln. Intrigen, Kerkern
und Betrügern und einem liebenswürdigen Helden, der sich des
öfteren zum Narren macht. Wenn auf den letzten Seiten endlich das
Jahr 1667 angebrochen ist, hat Baldassare nach einigen Beinahe-Katastrophen
endlich Genua, die Stadt seiner Vorfahren erreicht und die Hoffnung auf
ruhigere Jahre. Ein kurzweiliges, lehrreiches Buch, das im Bücherschrank
seinen Platz zwischen Eco und 'James Miranda Barry' findet. (Paul Philippi)
Zum Autor:
Amin Maalouf, 1949 im Libanon geboren, lebt seit 1976 als Journalist und
Schriftsteller in Frankreich. Er ist politischer Berater für Fragen
der arabischen Welt und der Beziehungen zwischen Okzident und Nahem Osten.
|