Kinderecke im buchladen

Kinder- und Jugendbücher... unsere Lesetipps -

Was geschieht, wenn fünf Brüder unter einem Dach wohnen, und die Sommerferien beginnen?

Eoin Colfer: Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy
98 Seiten, gebunden mit zahlreichen Illustrationen von Tony Ross

Beltz & Gelberg

ISBN: 3-407-79898-9

9,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Eoin Colfer hat mit dem neunjährigen Tim einen neuen Helden geschaffen, der gleich in seinem ersten Buch "Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy" ein paar brenzlige Situationen bestehen muss. In den Sommerferien droht bei Tims Familie das Chaos auszubrechen! Kein Wunder, denn Tim hat noch vier Brüder und wenn die alle nur zwei Freunde mitbringen, wird es ganz schön eng bei Tim zu Hause. So werden Tim und sein älterer Bruder Marty einem furchtbaren Schicksal ausgeliefert: Jede Woche sollen sie an drei Nachmittagen in die städtische Bücherei! Dabei weiß doch jeder, dass dort die von allen Kindern gefürchtete Bibliothekarin Knolle Murphy mit eisernen Fäusten regiert. Gleich am ersten Tag beweist Knolle, dass mit ihr nicht zu spaßen ist...
Eoin Colfer, der Schöpfer von Artemis Fowl, sprüht nur so von Witz und Fabulierlust. Ein Muss nicht nur für Jungs ab 8 Jahren.
(Paul Philippi)

Ein spannendes und nachdenklich stimmendes Buch

Sarah Weeks: So B. It
Heidis Geschichte.
220 Seiten, gebunden
Empfohlen ab 11 Jahre.
Übersetzt von Brigitte Jakobeit.

Hanser, Carl GmbH + Co.

ISBN: 3446206434

15,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

"So B. It" nennt sich die Mutter der 12jährigen Heidi in Sarah Weeks gleichnamigem Jugendbuch. Heidis Mutter ist geistig behindert und zusammen leben die beiden in einem Wohnblock in Reno. Ohne die Hilfe ihrer Nachbarin Bernadette könnten sie sich nicht durchschlagen, denn Heidis Mutter kriegt nur wenig auf die Reihe. 23 Wörter kennt sie, darunter das Wort Soof, von dem niemand weiß, was es wohl bedeutet. Heidi weiß nichts über ihre Mutter und ihre Herkunft und erst ein packen alter Fotos gibt ihr erste Anhaltspunkte. Auf einem der Fotos ist Heidis Mutter vor einem Heim für geistig Behinderte abgebildet, doch alle ihre Anrufe dorthin bleiben unbeantwortet.
So entschließt sie sich, allein die dreitägige Reise mit einem Greyhoundbus anzutreten...
Sarah Weeks schickt uns mit Heidi auf die Reise und mit ihr erleben wir ihre Ängste, ihren Mut und ihren Durchhaltewillen. Ein spannendes und nachdenkliches Buch für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

(Paul Philippi)

Ärger zu Hause und draußen

Carl Hiaasen: Fette Fische
Empfohlen ab 12 Jahre.
Übersetzt von Birgitt Kollmann.

300 Seiten, gebunden

Beltz Verlag

ISBN: 340780959X

14,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Carl Hiaasen heißt der Jugendbuchautor, der vielleicht am ehesten Louis Sachar das Wasser reichen kann. In seinem zweiten Jugendbuch "Fette Fische" (nach "Eulen") nimmt er uns wieder mit nach Florida. Dort hat der Junge Noah ebenfalls Ärger zu Hause: Sein Vater sitzt im Knast, weil er ein Kasinoschiff versenkt hat und nun will sich Noahs Mutter von ihm scheiden lassen.
Dabei wollte er doch nur beweisen, dass Dusty Muleman, der Besitzer des Kasinoschiffs, alle Abwässer ungeklärt ins Wasser leitet. Noah und seine jüngere Schwester Abbey sehen nur eine Lösung: sie müssen selbst beweisen, was ihrem Vater nicht gelang. Tatkräftige Hilfe erhalten sie dabei von der superblonden Bardame Shelly, die noch eine Rechnung offen hat mit Dusty. Mit dieser entwickeln sie einen riskanten Plan...
Mit "Fette Fische" ist dem Reporter Hiaasen wieder ein temporeicher, witziger und schräger Umweltkrimi gelungen, der richtig zur Sache geht.

(Paul Philippi)

Ein ebenso tiefgründiges wie kurzweiliges Lesevergnügen.

Polly Horvath: Blaubeersommer
Originaltitel: The Canning Summer.
Empfohlen ab 9 Jahre.
Übersetzt von Christiane Buchner.
267 Seiten, gebunden

BV Berlin Verlag

ISBN: 3827050162

13,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Als herausragend habe ich in diesem Jahr das Jugendbuch "Der Blaubeersommer" von Polly Horvath erlebt. Diese turbulente Geschichte von der 13jährigen Ratsche, die von ihrer bescheuerten Mutter bei den uralten Tanten Tilly und Penpen abgeliefert wird, ist dermaßen köstlich, dass ich das Buch am liebsten gleich zweimal gelesen hätte.
Dass die beiden Tanten mitten in der Wildnis wohnen, umgeben von Blaubeeren und Braunbären, ohne Computer, Fernseher und funktionierendes Telefon, scheint nicht gerade die ideale Voraussetzung für gelungene Sommerferien. Aber die beiden Alten sind in ihrer Exzentrik mindestens so faszinierend wie PC, TV und Handy zusammen. Und so gibt es für die schüchterne Ratsche jede Menge neuer Erfahrungen und als noch ein zweites Mädchen auf den Herrensitz der Tanten verschlagen wird, steht einem wundervollen Sommer wirklich nichts mehr im Weg.
Witzig und warmherzig ist dieser Blaubeersommer, eine Mischung die selten ist im Jugendbuch. Noch eins sei lobend erwähnt: die Ausstattung des Buches steht dem wunderschönen Inhalt in nichts nach.

(Paul Philippi)

Mit den Augen eines Verlierers

Jerry Spinelli: Der Held aus der letzten Reihe
Aus d. Englischen v.: Andreas Steinhöfel.

215 Seiten, gebunden, Dressler Verlag,

ISBN: 3-7915-1959-X

 

12,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Ein Held? Nein ein Held ist Donald Zinkoff ganz sicher nicht, auch wenn der Titel der deutschen Ausgabe das nahelegt. ''Der Held aus der letzten Reihe'' heißt Jerry Spinnelis jüngstes Jugendbuch aber der englische Originaltitel 'Loser' (Verlierer) bringt es auf den Punkt.
Donald Zinkoff kommt nicht nur im Alphabet ganz zum Schluss. Er ist eines von diesen Kindern, die immer übersehen werden. Die bei keinem Wettbewerb gewinnen ganz gleich, ob es um ein Wettrennen, Wett-Rülpsen oder Wett-Kuchenessen geht. Die beim Mannschaftswählen stets übrig bleiben.
Aber Donald merkt gar nicht, dass er immer zu den Verlierern zählt. Ein fröhlicher Junge, der selbst am lautesten lacht, wenn er mal wieder über die eigenen Füße fällt.
Wahrscheinlich braucht man einen Schriftsteller wie Jerry Spinelli um aus dieser Geschichte eines Versagers kein prämiertes Jugenddrama zu machen, das auf die Tränendrüse drückt. Spinelli läßt uns erleben, wie dieser Donald (den man vielleicht als lernbehindert und entwicklungsverzögert beschreiben könnte) denkt und fühlt, worüber er sich freut und was ihn traurig macht. Spinelli gelingt ein kleines Wunder und ich gestehe gerne, dass dieses schmale Jugendbuch mich mehr bewegt hat, als manch großer Roman. Meine Skepsis, ob auch Kinder und Jugendliche Anteil nehmen an Donald wurde kürzlich von einer Lehrerin zerstreut, die berichtete, wie oft gerade dieses Buch aus ihrer Klassenbibliothek ausgeliehen wird. Es gibt eben viele Donalds...
Ein Held? Vielleicht doch. Denn man muss wirklich sehr tapfer sein, um Donald Zinkoff zu sein.
(Paul Philippi)

Eine Nadel für die Liebe - Kate DiCamillo schreibt ein Mäusebuch

Kate DiCamillo: Despereaux.
Von einem, der auszog, das Fürchten zu verlernen.

Timothy Basil Ering. Aus d. Englischen v.: Sabine Ludwig.
240 Seiten, kartoniert
dtv

ISBN: 3423709537

8,50 EUR

(Die Hörversion kostet 19,90 EUR)

 

Unsere Besprechung:

Wenn Sie denken, Ihr Kind hat genug Bücher über mickrige Schwächlinge gelesen, die sich am Ende doch zum Helden mausern, machen Sie bitte noch EINE Ausnahme. ''Despereaux'' von Kate DiCamillo hat es nämlich verdient.
Denn Kate DiCamillo wäre nicht Kate DiCamillo, wenn sie nicht etwas ganz besonderes aus dem alten Stoff machen würde. Ihre Version der Geschichte geht so; Der Mäusewinzling Despereaux wird wegen grob unmäuslichen Verhaltens von seinen Artgenossen ins finsterste Verlies verbannt. Unter anderem weil er sich in die (Menschen-) Prinzessin Erbse verguckt hat. Wie er aus dem höllischen Verlies entkommt und doch wieder zurück muss, um mit einer spitzen Nadel die Prinzessin zu retten, ist eine höchst vertrackte Geschichte, die nicht nur durch Sprachwitz und unverhoffte Wendungen immer wieder neu überrascht. Die hinterhältige Ratte Roscuro, das einfältige Waisenmädchen Mig, der Kerkermeister Gregory und die dicke Köchin; die Autorin stellt uns allerlei wundersame und einprägsame Gestalten vor und erinnert in ihrer Fabulierkunst an ''Alice im Wunderland''. Ein funkelndes Kleinod ist dieses Buch und wer es sich lieber vorlesen läßt als selbst zu lesen, der kann auf die 3 HörCDs von Rosemarie Fendel zurückgreifen. Kinder ab 8 Jahren (und die dazugehörigen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel) werden garantiert viel Freude haben!

(Paul Philippi)

Als die Welt am Abgrund stand

David Almond, Feuerschlucker
Aus d. Englischen v.: Ulli Günther, Herbert Günther.
208 Seiten, Halbleinen

Hanser Verlag 2005

ISBN: 3-446-20601-9

15,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Als Bobby den Feuerschlucker auf dem Jahrmarkt sieht, ist er fasziniert von dieser bedrohlichen Gestalt. Soviel Neues und Beunruhigendes bricht über ihn in diesem Sommer herein, dass der verrückte Feuerschlucker McNulty wie eine Figur aus Bobbys Angstträumen erscheint. Da ist der Wechsel an die neue Schule, die berüchtigt ist für ihre strengen Sitten, da ist die Krankheit des Vaters, der seinen bösen Husten nicht mehr loszuwerden scheint und da ist die allgegenwärtige Angst angesichts der Kuba-Krise.
Wir schreiben das Jahr 1962, es ist Spätsommer und Bobbys Welt scheint zusammenzubrechen. Er wird Freunde verlieren und neue Freunde gewinnen, er wird mutig sein müssen und sich entscheiden. Aber neben all den Ängsten und Bedrohungen wird Bobby erfahren, wie kostbar das Leben ist und in seiner Altersgenossin Ailsa wird er mehr finden als eine Freundin.
Mit seinem Roman ''Feuerschlucker'' hat David Almond ein traumhaft schönes Jugendbuch geschrieben, romantisch und todtraurig, himmelhochjauchzend und schwindlig vor Schrecken und Glück. ''Feuerschlucker'' wurde in England mit dem Whitbread Award und dem Smarties Gold Award ausgezeichnet. Verdient hat Almond aber noch viel mehr; jede Menge Leserinnen und Leser. (Ab 12 Jahren)

(Paul Philippi)

Der ganz normale Wahnsinn

Lars Maehle: Der tunesische Torwart.

Aus d. Norwegischen v.: Gabriele Haefs.

Gerstenberg Velag September 2004 - Gebundene Ausgaben - 167 Seiten

12,90 EUR

 

Unsere Besprechung:

Dass sein Opa ein knallharter Elvis-Fan ist, der zu den Klängen von 'In the ghetto' durchs Zimmer tanzt, könnte Jo noch verkraften. Dass er nach seiner Zahnspange auch noch Plattfußeinlagen verpasst kriegen soll, regt ihn schon mehr auf. Ist seine Fußballerkarriere beendet noch ehe sie überhaupt begonnen hat?
Aber was Jo wirklich im Magen liegt ist seine neue Klasse, in der ein paar richtige Schlägertypen bereits auf ihn warten...
Der sommerliche Campingurlaub in Dänemark ist für Jo eine willkommene Ablenkung und er kann sein Glück kaum fassen, dass sich dort dieses wunderhübsche Mädchen tatsächlich für ihn interessiert. Doch zuhause in Norwegen wartet eine böse Überraschung: Opas wertvolle Elvissingle ist verschwunden - und Jo hat vor der Abfahrt nach Dänemark ein Fenster offen gelassen...
Der tunesische Torwart von Lars Maehle verdient nicht nur für seinen wunderbaren Titel einen Jugendbuchpreis. (Was es mit dem tunesischen Torwart auf sich hat, müßt ihr schon selbst rausfinden!) Humorvoll, spannend, originell geschrieben und mit ein paar Themen bestückt, die pubertierende Jugendliche nun mal angehen. Aber keine Angst: Einen Jugendbuchpreis wird 'Der tunesische Torwart' sicher nicht kriegen. Dafür macht das Buch einfach zu viel Spaß!!
(Paul Philippi)

Die kalten Straßen von New York

Morton Rhue: Asphalt Tribe -
Kinder der Straße.

Aus d. Englischen v.: Werner Schmitz.

Ravensburger Buchverlag
Februar 2004 -
Gebundene Ausgaben - 206 S.

ISBN: 3-473-35246-2

11,95 EUR

 

unsere Besprechung:

Morton Rhue, Autor des Jugendbuchklassikers 'Die Welle' hat mit seinem jüngsten Roman 'Asphalt Tribe' eine fesselnde Geschichte über Straßenkinder in New York geschrieben. Nun, Kinder sind sie nicht mehr, diese acht Ausreißer und Ausreißerinnen, die sich unter dem Namen 'Asphalt Tribe' zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben, in der sie sich gegenseitig Schutz geben wollen.
Maybe etwa, die Erzählerin, ist vor den Nachstellungen ihres Stiefvaters geflohen. Aus ihrer Sicht berichtet Rhue unsentimental und realistisch von Hunger und Kälte, von Drogen und Zuhältern, von durchtanzten Nächten, von Polizistinnen und Sozialarbeitern, vom Stolz und vom Katzenjammer.
Morton Rhue ist mit 'Asphalt Tribe' der Balanceakt gelungen, ein Problemthema ohne plumpe Schuldzuweisungen und Zeigefingerattitüde anzugehen. Ein spannendes Buch, ein manchmal hartes Buch, das dennoch am Ende für Maybe und ihre Freundin Tears eine Art Weg aus der Sackgasse erkennen läßt. (Paul Philippi)

Wunder gibt es immer wieder

Frank Cottrell Boyce: Millionen.

Aus d. Englischen v.: Salah Naoura.

Carlsen Verlag - Juli 2004 -
Gebundene Ausgaben - 253 Seiten

ISBN: 3-551-55339-4

14,00 EUR

 


Millionen -
unsere Besprechung

Damian Cunningham weiß so manches über das Leben der Heiligen. Auch sonst ist er ein wenig seltsam, aber ist das ein Wunder? Nach dem Tod der Mutter lebt er mit seinem Bruder Anthony bei seinem Vater und da muss er doch alles perfekt machen, damit nicht noch ein Unglück passiert.
An ein Wunder glaubt Damian als ihm aus dem Nachtzug ein Sack vor die Füße fällt, randvoll mit Pfundnoten. Doch sein gerissener Bruder kommt schnell dahinter, dass der Sack Teil der Beute aus einem Zugraub ist. Auf einen Schlag sind die beiden Brüder reich - doch die Sache hat einen Haken. In 17 Tagen soll in England der Euro eingeführt werden und die alten Geldnoten verlieren ihre Gültigkeit.
Bereits die ersten Versuche der Brüder, das Geld großzügig auszugeben, führen zu überraschenden Ergebnissen und dazu sind ihnen die unrechtmäßigen Besitzer des Geldsackes dicht auf den Fersen.
Ein seltsames Buch hat Frank Cottrell Boyce (eigentlich ein Drehbuchautor) da geschrieben, ein seltsam schönes Buch. Ungewöhnlicher Plot, schräge Figuren und ein paar augenzwinkernde (kleine) Wunder... Bitte mehr solcher Bücher nicht nur für den Jugendbuchmarkt! (Paul Philippi)

Kann Lyrik wirklich Spaß machen ?

Andreas Thalmayr: Lyrik nervt!
Erste Hilfe für gestresste Leser.


Hanser Verlag - Februar 2004 -
Gebundene Ausgaben - 120 S.

ISBN: 3-446-20448-2

12,90 EUR


Lyrik kann Spaß machen! - Das behauptet zumindest der Autor dieses Buches und er ist Experte. Mit Das Wasserzeichen der Poesie hat er in der Anderen Bibliothek einen Lyrikführer für Erwachsene vorgelegt und bietet nun jungen Lesern seine Hilfe an.

Thalmayr will Lust machen auf Lyrik, indem er zeigt, dass jeder sie verstehen kann. Dazu fängt er mit der einfachsten Frage an: Was ist eigentlich ein Gedicht? - und schließt mit einer Anleitung zum Selbermachen.
Dazwischen: (beinahe) alles Wissenswerte über das wunderbare Spiel mit Wörtern. Und natürlich: jede Menge Gedichte, sogar ein paar schauderhaft schlechte. denn die sind ein besonderer Spaß.
Übrigens: hinter Andreas Thalmayr verbirgt sich niemand anders als Hans Magnus Enzensberger.

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