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Andreas Maier: Die Städte

Jetzt ist der Roman als Taschenbuch erschienen: „In seinem neuen Roman nimmt uns Autor Andreas Maier mit auf Reisen“ - schrieb der Verlag bei Erscheinen des gebundenen Buches. Das mag ja besonders verführerisch klingen, doch: Finger weg von diesem Buch, wenn Sie gerne Reiseliteratur lesen, sich für ferne Länder, fremde Sitten interessieren.

Der nun achte Band seines Schreib- und Lebensprojekts namens „Ortsumgehung“ führt uns nur wieder hinein in den Kopf eines Autors, der über Thomas Bernhard promoviert hat - und so sieht es dort auch aus.

Doch streichen Sie das ́nur ́, denn natürlich ist Andreas Maier ein Heimatforscher der besonderen Art. Sehr distanziert und mit Fernrohr bewaffnet vermag er doch Mikroskopisches zu beschreiben, lässt uns beim Lesen des Bekannten leichthin Neues entdecken.

Wie schon im letzten Band Die Familie verlässt er hier die vorherrschende Chronologie seiner auf elf Bände angelegten literarischen Großtat und gewährt uns Einblicke in bundesdeutsche Mentalitätsgeschichte und Reisekultur der 70er bis 90er Jahre.

Vom Autobahnland BRD geht’s von Kreuz zu Kreuz über den Brenner, Butterbrotpapiere knistern im Wagen. Alsbald wird, man hat schon angespart, geflogen. Sich emanzipierend von Kriegs- und Nachkriegseltern, trinkt man frühreif Unmengen von Ouzo in Athen, ist per Anhalter durch Südfrankreich unterwegs, erwägt in Ligurien seinem jungen Leben ein Ende zu setzen, und landet schließlich einigermaßen erwachsen und als junger Autor zwischen Nietzsche und Goethe auf dem Frauenplan in Weimar, Nazis betrachtend.

Maier spürt dem deutschen Willen zur Macht und Mobilität mit geübt lakonischem Ton nach, analysiert Fluchtgedanken und Bleibenswünsche mit komisch böser Akribie und beschert uns eine weitere unterhaltsame Etappe auf der Ortsumgehung, die man Leben nennt. (F. Peters)

Roman, Ortsumgehung 8 - suhrkamp taschenbuch 5247
Einband: kartoniertes Buch
EAN: 9783518472477
11,00 €inkl. MwSt.

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Kategorie: Belletristik