Edouard Louis: Im Herzen der Gewalt

Jetzt als Taschenbuch:
Was ist da passiert? Einen Liebesroman wollte er schreiben, und nun publiziert Edouard Louis einen Bericht, den er Roman nennt, über eine Vergewaltigung, die Bedrohung des eigenen Lebens, die er in einer Weihnachtsnacht in seiner Pariser Wohnung selbst hat erleben müssen.
Nach einer durch Armut und Abwesenheit von Liebe geprägten Jugend in der der Provinz, sehr eindrücklich beschrieben in Das Ende von Eddy und fast als Grundlage für diesen neuen Roman empfohlen, hatte sich Louis in jeder Hinsicht neu erfunden, als Soziologe den heimatlichen Dialekt abgelegt, eine neue Familie gefunden unter Paris´ Intellektuellen.
Nun reißt ihn diese Tat in einen Strudel neuer Selbstzweifel. Minutiös beschreibt er den Tathergang, die Reaktion des Krankenhauspersonals, der Polizei, und schließlich der schockierten Freunde.
Gegen das Schweigen, das ihm zunächst als so verlockend einfach erscheint, entscheidet er sich für die Sprache.
Wir begegnen ihm verborgen in einem Nebenzimmer, seine Schwester belauschend, die ihrem Mann vom Verbrechen erzählt. Er führt uns in kleinen Interventionen aus der Szene hinaus, zu Richtigstellungen des Erzählten, zu Reflexionen über das Geschehene, gesellschaftliche Bedingungen des Erlebten.
Nach und nach wird er sich so, durch das Medium der Sprache, seines eigenen Schicksals wieder ermächtigen können.
Es ist ein düsterer, verstörender Bericht über eben diesen Prozess, und er lohnt die Lektüre, weil hier jemand Zeugnis ablegt von den Möglichkeiten des Weiterlebens. (F. Peters)

Louis, Édouard
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783596297351
10,00 € (inkl. MwSt.)
Kategorie:
Belletristik