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Pascal Dessaint: Verlorener Horizont

Ein Polizist, zwei Tote, Polar-Verlag. Drei gute Gründe, diesen Roman in der Krimirubrik zu erwarten.
Doch Dessaint ist in erster Linie Erzähler sozialer Verhältnisse, der Polizist verliebt, der Tod Unfall und Ausweg und der Polar Verlag bekannt für genresprengende Literatur.
´Verlorener Horizont´ist ein berührender Roman Noir über drei Außenseiter der Gesellschaft.
Lucille, die ihren Lehrerinnenjob hingeschmissen hatte, um zunächst im sogenannten Dschungel von Calais, dem Ort an dem tausende von Migranten auf ihre Ausreise nach Großbritannien hoffen, und der 2015 von der französischen Polizei verwüstet und aufgelöst worden war, zu unterrichten.
Anatole, der alte Jäger, der eher mit der Herstellung von hölzernen Vogelattrappen beschäftigt ist als mit der Jagd, seinen Alltag mit Zitaten des verehrten Schauspielers Jean Gabin meistert und manisch Rabattmarken sammelt.
Und Loik, Kleinganove und Hafenarbeiter, der eines Tages unvermittelt zu den beiden stößt auf dem Strandabschnitt, den sie ihr zuhause nennen, in alten Wohnwagen und umfunktionierter Pommes-Bude eingerichtet.
Sie erwarten nichts mehr von dieser Gesellschaft, sind Ruhesuchende, doch wie sich zeigt wird ihnen auch dieser Wunsch nicht erfüllt, auch diese zeitweise selbstgewählte Gemeinschaft aufgelöst werden wie der Dschungel, und wir sind gezwungen, die drei Protagonisten in eine teils ungewisse Zukunft zu entlassen.
Ein schmerzhafter Prozess, denn neben den faszinierenden Naturschilderungen dieses eigentlich doch sehr kargen Fleckens Erde zwischen Calais und Gravelines, den interessanten historischen Exkursen, gelingt es Dessaint durch Einsetzen Lucilles als Erzählerin uns diese drei so unterschiedlichen Menschen sehr nahe zu bringen.
So wie sie sich selbst auch nahekommen und aus anfänglichem Misstrauen wenn schon keine allzu große Harmonie entsteht, das ließe der existenzialistische Grundton dieser Erzählung zum Glück auch gar nicht zu, doch ein tief empfundener Respekt vor dem Anderen entsteht.
Eine, trotz aller Beschädigungen, die das Leben in ihnen hinterließ, und von denen wir hier auch erfahren, in den Figuren tief verwurzelte Menschlichkeit erscheint und macht diese Erzählung auch zu einer politischen. „Mit den Pflanzen lief es so wie mit den Menschen. Die Chance zum Blühen, Wachsen und Gedeihen hing sehr stark von der Umgebung ab.“
- und über allem schwebt der gute Geist von Jean Gabin als großer Darsteller kleiner Leute. Lisez! (F.Peters)

Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783948392321
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Kategorie: Belletristik