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Buchtipps

Mensch und Geschichte – diese beiden Elemente sind die Säulen in Colum McCanns Romanen wie Zoli, Der Tänzer oder Der Himmel unter der Stadt. In seinem neuen Werk Transatlantik sind es drei historische Begebenheiten, die der Autor geschickt mit dem Schicksal einer Handvoll Menschen verknüpft.

“Das war ich nicht” erzählt von drei Menschen, deren Leben durch Zufall in eine abenteuerliche Abhängigkeit gerät. Da ist Jasper Lüdemann, er  ist Börsenmakler. Er hat es in den Händlersaal einer großen Investmentbank in Chicago geschafft und kann jetzt zeigen, was in ihm steckt. Er gerät allerdings in einen Abwärtsstrudel an der Börse, den er nicht mehr kontrollieren kann. Er kauft und verkauft Optionen ohne Kundenauftrag und macht nach anfänglichen Gewinnen enorme Verluste.

Never Say Anything – sag nie irgendwas darüber! Besser wäre das, wenn man wie die Journalistin Sophie Schelling etwas sieht, was sie nie hätte sehen dürfen. Sie ist auf Dienstreise in Marokko unterwegs, als sie Zeugin eines militärischen drohnenunterstützen Überfalls auf ein Dorf wird. Al Quaida wird diese Aktion in den Medien  zugeschrieben, aber Schelling weiß es besser, sie hat es mit eigenen Augen gesehen, wie die Amerikaner die Menschen erschossen.

Christopher Boone ist 15 und er hasst jede Art von Überraschung und Unordnung. Christopher ist Autist und seine Betreuerin hat ihm geraten, eine Geschichte zu schreiben, die er gerne selbst lesen würde. Und so setzt sich Christopher hin und schreibt auf, wie der Pudel der Nachbarin getötet wird und er versucht, den Täter zu finden. Da kann er noch nicht ahnen, dass er bei seinen Nachforschungen manches erfahren wird, was er lieber nicht wissen wollte und manche seiner geschätzten Sicherheiten aufgeben muss.

Joe, ein 13jähriger Junge, lebt mit seinen Eltern in einem Reservat des Stammes der Chippewa in North Dakota. Es ist Sommer, im Jahr 1988, an einem gewöhnlichen Sonntag. Joe und sein Vater, ein Stammesrichter, verbringen den Tag zu Hause. Die Mutter, Archivarin des Stammes und somit Spezialistin für Fragen der Stammeszugehörigkeit, war angerufen worden und mit einem Ordner weggefahren. Als sie zurückkommt, ist nichts mehr wie vorher: sie wurde brutal misshandelt und vergewaltigt. Wer der Täter war, kann sie nicht sagen. Auf jeden Fall ein Weißer.

Die Trauergemeinde, die von Léon Le Gall Abschied nehmen will, beobachtet mit viel Getuschel den verspäteten Auftritt einer alten Dame. Alle wissen, dies ist Louise, die zum Abschied mit einem zweifachen Ring-Ring eine alte Fahrradklingel in den Sarg legt. Ein Enkel von Léon erzählt nun die Geschichte: die Liebesgeschichte von Léon und Louise beginnt in einem Dorf in der Normandie, wo sie sich während des 1. Weltkrieges begegnen. Sie werden abrupt getrennt während eines Fliegerangriffs, beide verwundet. Sie suchen einander vergeblich, halten den jeweils anderen für tot.

Oben ist es still – und so soll es bleiben, wenn es nach Helmer van Wonderen geht. Doch sein bettlägriger Vater, der im Obergeschoss endlich sterben soll, tut ihm den Gefallen nicht. Der Alte, den Helmer verantwortlich macht für seine Misere, ist zäh. Das geduldig ertragene Unglück ist ein Bauernhof in Zeeland mit Milchkühen, Schafen, zwei Eseln, einer Nebelkrähe und sehr eingeschränkten Sozialkontakten. Mitte 50 ist Helmer und für ihn ist es schon ein großer Schritt, wenn er sein Wohnzimmer neu möbliert.

Im China Mao Zedongs: zwei Studenten müssen 1971 zur kulturellen Umerziehung durch die revolutionären Bauern aufs Land. Sie werden in ein Bergdorf verbannt und müssen sich dort auf den Feldern abrackern oder in Minen schuften. Die beiden sind pfiffig und verstehen es, sich kleine Vergünstigungen zu beschaffen. Z.B. steigen sie im Ansehen des Dorfvorsitzenden und der ganzen Gemeinde, weil sie wunderbar Geschichten und besonders plastisch Filme nacherzählen können.

Eine Warnung vorweg: wer einmal anfängt dieses Buch zu lesen, sitzt bald fest mit im Boot, die Geschichte wird ihn nicht aussteigen lassen.

Auch wenn der Originaltitel Shelter (Zuflucht) den Kern dieses Buches sehr gut trifft, spricht der deutsche Titel Der Duft des Regens einen wichtigen Zug dieses Romans an. Greenslades Werk ist ein sehr sinnlicher Roman, in dem nicht nur der Regen duftet. Die kanadische Wildnis mit abgelegenen Siedlungen, einsamen Pisten, mit Wäldern, Flüssen, Kräutern und Blumen ist neben der Familie Dillon der große Darsteller in diesem Buch. Ein Darsteller, der sicher einen literarischen Oscar für die beste Nebenrolle verdient hat.