0

Buchtipps

Altern. „Das Wissen, dass die Zukunft kürzer sein wird als die Vergangenheit.“ Silvia Bovenschen hat als „alternde behinderte Mehrfachkranke“ (sie hat seit vierzig Jahren Multiple Sklerose) vielleicht eine besondere „Qualifikation“ zum Thema zu schreiben. Ihr Buch stellt in kleinen Texten, mal mit, mal ohne Überschriften, manchmal nur in kurzen Gedankensplittern, ihre Überlegungen, Beobachtungen und Erinnerungen zusammen. Man kann das Buch vorne beginnen oder darin blättern und an irgendeiner Stelle in die Notizen und Aufzeichnungen einTauchen.

Das Besondere an den Büchern von Haruki Murakami ist, dass Alltag und Wunder in ihnen sehr nahe beieinander liegen. Mit dem Aufblättern der ersten Seite begeben sich Murakami-LeserInnen in eine Art Paralelluniversum und manchmal kommt man sich vor wie in einem dieser Träume, wo alles seltsam vertraut erscheint. Dazu schreibt Murakami einen derart entspannten Stil, dass das Lesen fast zuviel Spaß macht.

Der amerikanische Autor John Williams gelangte in Deutschland erst posthum zu literarischem Ansehen. Sein Roman Stoner um einen aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Literaturprofessor fand bei Kritikern und Lesern großen Anklang. Nun ist im dtv ein zweiter großartiger Roman dieses Autors aus dem Jahr 1960 erschienen  und in diesem lässt der Autor seinen Helden den umgekehrten Weg gehen.

„Löwen wecken“ ist ein fesselndes Buch! Schon auf den ersten beiden Seiten, im Prolog, ahnt man, was da auf einen zukommen könnte, aber tatsächlich übertrifft der Inhalt dieses Romans die Ahnungen bei weitem. Der israelische Neurochirurg Etan Grien überfährt nachts in der Wüste einen Mann, einen Eritreer, der ihm vor das Auto gelaufen ist. Als Arzt erkennt er, dass der Verletzte keine Überlebenschance hat, und da er sich unbeobachtet fühlt,  beschließt er, sich selbst, seine Karriere und seine Familie zu schützen und den Mann liegen zu lassen.

Es gibt viele Fotografinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden, etliche berühmt, einige vergessen. Namen wie Berenice Abbott, Diane Airbus, Tina Modotti, Lee Miller fallen mir da ein. Aber von einer Fotografin namens Amory Clay habe nicht nur ich nie gehört. William Boyd hat sie sich ausgedacht. In seinem Roman erzählt er das Leben von Amory. Schon als Kind wird ihre Leidenschaft fürs Fotografieren geweckt und es gelingt ihr früh, durch eine Ausstellung auf sich aufmerksam zu machen. Das wird die Grundlage für ihren Erfolg als Gesellschaftsfotografin in Berlin und London.

1979 kämpft im Iran der junge Behsad in der Kommunistischen Partei gegen das Regime des Schahs. Als der vermeintliche Erlöser in Gestalt von Ayatollah Khomeini per Air France einschwebt, ist der Kampf entschieden, die Freiheit jedoch scheinbar endgültig verloren. Nahid kann sich knapp vor der Welle der Verhaftungen retten, und während die Bewegung zerschlagen wird und die Kampfgefährten unter der Folter leiden, beginnt für ihn der Weg ins Exil.

Was für eine herzerfrischende Lektüre! “Der Pfau” ist für mich das schönste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und das gilt sowohl für den Umschlag mit dem Pfau als Blickfang,  als auch für die charmante Geschichte. Isabel Bogdan ist bekannt als Übersetzerin britischer Literatur, z.B. von Jane Gardam und Nick Hornby. Nun hat sie ihren ersten Roman vorgelegt und der spielt – very british – auf einem abgelegenen, etwas heruntergekommenen Landsitz in Schottland. Die Besitzer, Lady und Lord McIntosh, vermieten Cottages an Gäste.

Geben Sie, geschätzte Leser, dem Fabulieren eine Chance! Diesem Satz, den die junge Autorin ihrem zweiten Roman voranstellt, möchte ich mich aus ganzem Herzen anschließen. Vea Kaiser mag nicht die perfekte Stilistin sein, aber erzählen kann sie, dass es eine wahre Freude ist.

Der Maulwurf hat Sorgen: ihn treibt um, dass er vielleicht nie einen Freund findet. Und er erinnert sich an seine Oma, die sagte: „Kleiner Maulwurf, wenn du Sorgen hast, dann rolle sie in einen Schneeball ein.“ Und das macht der Maulwurf nun. Er rollt einen Schneeball und merkt gar nicht, wen er alles einrollt. Einen Frosch, einen Hasen und noch größere Tiere. Am Ende ruft es aus dem Schneeball. Und der Maulwurf erlebt seine Überraschung, als er den Schneeball wieder entrollt. Ein warmherziges Buch für Kinder ab 4 Jahren! (A. Mantwill)  

Viel mehr als Erwachsene lieben es Kinder und Jugendliche, wenn ein Buch sie in die Haut eines anderen schlüpfen lässt und wenn diese Person ein ganz anderes Leben führt als sie selbst, fasziniert sie das besonders.