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Buchtipps

Micah  Mortimer,  ein  Durchschnittstyp  mit  leichtem  Hang  zur  Zwanghaftigkeit.  Er  lebt  in  einer  kleinen   Souterrain-Wohnung,   arbeitet   vormittags als selbständiger Computerspezialist, nachmittags  geht  er  seiner  Tätigkeit  als  Hausmeister  nach.  Ich  finde  es  bemerkenswert,  wie  es  Anne  Tyler  gelingt  das  Interesse  des  Lesers  für  diesen   doch   eigentlich   langweiligen,   bürgerlichen   Mann  zu  wecken.  Vielleicht,  weil  sie  ihm  einen  liebevoll  empathischen  Blick  auf  Micah  eröffnet.  Vielleicht  weil  sie  es  schafft,  trotz  sehr  unaufgeregter, 

Woran   denken   Sie,   wenn   Sie   an   England   denken?  Den  Brexit,  natürlich.  Dann  vielleicht  an  die  Queen,   Tea-time   und   Ascot?   Nele   Pollatschek   hat  an  den  englischen  Elite-Unis  Cambridge  und  Oxford  (amalgamiert:  Oxbridge)  studiert  –  und  hat  dabei  nicht  nur  die  Fächer  Englische  Literatur und Philosophie, sondern auch ihre britischen Mitmenschen  samt  Gastland  studiert.  Wenn  sie  an   England   denkt,   dann   an   die   Oxbridger   Bildungselite, die bisher immerhin die Mehrzahl der englischen   Premierminister   stellte,   an   ständig   ver

Jetzt im Taschenbuch: Verschwörungstheoretiker, die auf Haustiere Jagd machen, ein Buch, das Morde begeht, der „Pakt der Glücklichen“, dessen Mitglieder ohne Bier gar nicht mehr so glücklich scheinen, ein im wahrsten Sinne des Wortes menschlicher Überflieger und eine Prise Außerirdisches, das sind nun nicht die Zutaten eines Julie Zeh-Romans, auch wenn sich Scharnow als lustiges Anti-Unter-Leuten lesen liesse, aber wozu. Scharnow bietet weniger Welterklärung, doch viel mehr Spass.

Jetzt im Taschenbuch: Um es gleich vorwegzunehmen: von Verschwinden kann eigentlich keine Rede sein. Mengele, Arzt in Auschwitz und Sinnbild der Entmenschlichung lebte seit seiner Flucht aus Deutschland wie so viele Kriegsverbrecher zunächst sehr komfortabel in Argentinien.

Ich muss zwei mal nachrechnen aber es stimmt; älter als 23 Jahre kann Kristin Höller nicht sein, wenn sie wirklich 1996 geboren ist. Hut ab also vor diesem Debüt, das so frisch und treffsicher daherkommt, dass das Lesen eine reine Freude ist. Vielleicht war es ja hilfreich für die Autorin, dass sie über Gleichaltrige geschrieben hat in ihrem ersten Roman, über eine Lebensphase, in der alle wissen, was sie garantiert nicht wollen aber kaum jemand weiß, wo die Reise hingehen soll.

Jack und Wynn, zwei amerikanische Studenten, haben sich im Spätsommer eine Auszeit genommen, um ihren gemeinsamen Passionen nachzugehen: Angeln, Campen, Kanu fahren – überhaupt in der Natur sein. Beide sind erfahren, haben ihre Tour wohlüberlegt und umsichtig vorbereitet. Die Beiden haben sich mit Kanus und Gepäck in Nordkanada in der Wildnis absetzen lassen, um geruhsam durch Seen und einen Fluss bis zur Hudson Bay hinunterzufahren. Sie genießen tagelang ungestörte Naturbeobachtungen am Tag und nachts den Sternenhimmel über ihren Lagerplätzen.

Sorj Chalandon, französischer Bestsellerautor, in Tunis geboren, widmet seinen neuen Roman einer historischen Katastrophe, dem Grubenunglück in der Zeche Saint-Amé in Liévin im Pas du Calais - und namentlich seinen Opfern. Er begegnet uns zunächst in Form einer Milieustudie, mit immer wiederkehrenden Verweisen auf Zolas Germinal, auktorial erzählt vom jungen Michel Flavent, noch aus bäuerlicher Familie stammend, dessen Bruder ebenso wie er einen Ausweg aus der sozialen Klasse sucht, Rennfahrer werden will und doch in der Falle der örtlichen Möglichkeiten gefangen bleibt.

Dieses Buch! Es kratzt und juckt und landete bei mir mehrfach in der Zimmerecke...weil die kraftvollen, eindringlichen und doch behutsamen Worte von Karin Kalisa mir bis tief unter die Haut gingen. Weil es unbequem ist über Kindesmissbrauch zu lesen. Doch die Autorin findet mit viel Feingefühl den richtigen Ton und so möchte ich diesen schmerzlich-schönen und politisch brisanten Roman unbedingt empfehlen!

Geheimnisvoll und düster beginnt das Leben der Hauptfigur Vida im Jahr 1704 – ihre Mutter wird bei der Geburt sterben. Dass die Mutter ihr Leben für das neue, hoffnungsvolle lassen muss, weiß sie aufgrund einer Prophezeiung, der zufolge Vida eine große Rolle im Konflikt zwischen Licht und Schatten spielen wird.

Martyna Bunda erzählt eine polnische Familiengeschichte um vier Frauen, die Mutter Rozela und die ungleichen Töchter Gerta, Ilda und Truda. Die Frauen müssen die chaotischen und dramatischen Zeiten während und nach dem 2. Weltkrieg bewältigen. Auch in den nächsten Jahrzehnten bleiben die Vier miteinander verbunden. Jede der Frauen hat abwechselnd ihre Stimme, wir sehen durch die jeweiligen Perspektiven, was die alltäglichen Anforderungen ihnen abverlangen.