Norbert Zähringer: Einer von vielen

Gerade aus dem Gefängnis entlassen steht ein alter Mann auf der Brücke eines verlassenen Küstenhighways, um sich in den Tod zu stürzen als er von zwei kleinen Jungen angesprochen wird.
Natürlich ist das kein Zufall, der Autor Norbert Zähringer steckt dahinter und tischt uns eine Geschichte auf, die schier unglaublich ist. Drei Hauptpersonen hat “Einer von vielen”, deren Lebensgeschichten durch winzige Berührungspunkte miteinander verknüpft sind.  Edison Frimm (der Mann von der Brücke), der während eines Erdbebens in einer Anarchistensiedlung in Neu-Mexiko zur Welt kommt, ein gewisser Kommissar Mauser, der im Berlin der Nazizeit einen Serienmörder jagt und einen jüdischen Jungen rettet, und ein namenloser Wachmann im Berlin der Jetztzeit.
Eine Vielzahl verschlungener Geschichten greift ineinander in Zähringers Jahrhundertpanorama und ergibt ein Muster aus Zufall und Vorbestimmung. Edison Frimm etwa, der auf Fürsprache seiner Mutter im Krieg bei einer Propagandaeinheit landet, die Filme zur Stärkung der Truppenmoral dreht, landet schließlich doch mit einem Fallschirm im umkämpften Berlin und verpasst einige seiner Mitspieler nur um Haaresbreite.
Das Leben schlägt erstaunliche Haken in diesem Roman, der auch eine Hommage an das Kino alter Schule ist. Ich gebe zu, dieses Buch würde ich gerne verfilmt sehen aber welcher Regisseur sollte sich diesem Stoff stellen?
Norbert Zähringer wird wohl noch länger ein Geheimtipp bleiben: mangelnde Ernsthaftigkeit wird ihm oft von der Kritik bescheinigt. Doch ich liebe Zähringers unbekümmerte Art und an Ideenreichtum, Spannung, und gewitzter Ironie nimmt es mit diesem Autor in Deutschland so schnell keiner auf.  (P. Philippi)

Zähringer, Norbert
Rowohlt Verlag
ISBN/EAN: 9783499242861
9,99 € (inkl. MwSt.)