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Buchtipps

Birgit Birnbacher erzählt die Geschichte vom An-tihelden Arthur, 22 Jahre alt und frisch aus seiner zweijährigen  Haft  entlassen.  Er  wird  in  ein  Resozialisierungsprogramm     aufgenommen,     lebt     im  Zuge  dessen  in  einer  betreuten  Wohngemeinschaft  und  wird  von  Börd,  einem  durchaus  sonderbaren Therapeuten begleitet. Die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden umspannt den Roman erzählerisch und trägt zu der sehr feinsinnigen, authentischen Darstellung der Figuren bei.

Man kennt es vielleicht noch aus dem nervenaufreibenden  Suter-Roman  Small  World:  die  Alzheimer-Erkrankung kann auch ein veritables Feld für kriminelle Phantasien sein. Dass  ausgerechnet  ein  Serienmörder  dem  Vergessen  anheimfällt,  davon  erzählt  der  südkoreanische Autor in kurzen Kapiteln und hingetupft so scheinbar  klarsichtigen  Zeilen,  dass  einem  fast  lyrisch zumute wird.

Historische Romane zählen eher selten zu meinen  Lesefavoriten. Umso mehr habe ich mich über diese Entdeckung gefreut. Ein sehr  packendes, in schnörkelloser aber poetischer Sprache geschriebenes Buch. Balzano vereint gekonnt emotional geladene Fiktion mit  geschichtlichen Fakten, ohne diesbezüglich jemals Verwirrung zu verursachen. Die Hauptfigur Trina führt den Leser in Form eines Briefes an ihre Tochter durch die Geschichte – ihre persönliche und die des kleinen Bergdorfes Graun im Vinschgau, Südtirol.

Wir erfahren wie die Protagonistin und ihr Zwillingsbruder in Ostdeutschland als Kinder einer Punkerin und einem angolanischen Vater geboren werden. Auch wenn man es vermuten könnte handelt es sich nicht um ein autobiografisches Buch. Olivia Wenzel sagt, dass sie vieles so ähnlich erlebt hat und Erlebnisse aus ihrem Freundeskreis zusammengetragen hat, „in einer düstereren Variante  von sich selbst,  die  sie  im  Alltag  nicht  aushalten könnte, zu sein“. Zu ihrem Alltag gehört auch Angst vor rassistischer Gewalt, die ihre Gedankenwelt mitprägt.

Micah  Mortimer,  ein  Durchschnittstyp  mit  leichtem  Hang  zur  Zwanghaftigkeit.  Er  lebt  in  einer  kleinen   Souterrain-Wohnung,   arbeitet   vormittags als selbständiger Computerspezialist, nachmittags  geht  er  seiner  Tätigkeit  als  Hausmeister  nach.  Ich  finde  es  bemerkenswert,  wie  es  Anne  Tyler  gelingt  das  Interesse  des  Lesers  für  diesen   doch   eigentlich   langweiligen,   bürgerlichen   Mann  zu  wecken.  Vielleicht,  weil  sie  ihm  einen  liebevoll  empathischen  Blick  auf  Micah  eröffnet.  Vielleicht  weil  sie  es  schafft,  trotz  sehr  unaufgeregter, 

Woran   denken   Sie,   wenn   Sie   an   England   denken?  Den  Brexit,  natürlich.  Dann  vielleicht  an  die  Queen,   Tea-time   und   Ascot?   Nele   Pollatschek   hat  an  den  englischen  Elite-Unis  Cambridge  und  Oxford  (amalgamiert:  Oxbridge)  studiert  –  und  hat  dabei  nicht  nur  die  Fächer  Englische  Literatur und Philosophie, sondern auch ihre britischen Mitmenschen  samt  Gastland  studiert.  Wenn  sie  an   England   denkt,   dann   an   die   Oxbridger   Bildungselite, die bisher immerhin die Mehrzahl der englischen   Premierminister   stellte,   an   ständig   ver

Jetzt im Taschenbuch: Verschwörungstheoretiker, die auf Haustiere Jagd machen, ein Buch, das Morde begeht, der „Pakt der Glücklichen“, dessen Mitglieder ohne Bier gar nicht mehr so glücklich scheinen, ein im wahrsten Sinne des Wortes menschlicher Überflieger und eine Prise Außerirdisches, das sind nun nicht die Zutaten eines Julie Zeh-Romans, auch wenn sich Scharnow als lustiges Anti-Unter-Leuten lesen liesse, aber wozu. Scharnow bietet weniger Welterklärung, doch viel mehr Spass.

Jetzt im Taschenbuch: Um es gleich vorwegzunehmen: von Verschwinden kann eigentlich keine Rede sein. Mengele, Arzt in Auschwitz und Sinnbild der Entmenschlichung lebte seit seiner Flucht aus Deutschland wie so viele Kriegsverbrecher zunächst sehr komfortabel in Argentinien.

Ich muss zwei mal nachrechnen aber es stimmt; älter als 23 Jahre kann Kristin Höller nicht sein, wenn sie wirklich 1996 geboren ist. Hut ab also vor diesem Debüt, das so frisch und treffsicher daherkommt, dass das Lesen eine reine Freude ist. Vielleicht war es ja hilfreich für die Autorin, dass sie über Gleichaltrige geschrieben hat in ihrem ersten Roman, über eine Lebensphase, in der alle wissen, was sie garantiert nicht wollen aber kaum jemand weiß, wo die Reise hingehen soll.