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Buchtipps

Jack und Wynn, zwei amerikanische Studenten, haben sich im Spätsommer eine Auszeit genommen, um ihren gemeinsamen Passionen nachzugehen: Angeln, Campen, Kanu fahren – überhaupt in der Natur sein. Beide sind erfahren, haben ihre Tour wohlüberlegt und umsichtig vorbereitet. Die Beiden haben sich mit Kanus und Gepäck in Nordkanada in der Wildnis absetzen lassen, um geruhsam durch Seen und einen Fluss bis zur Hudson Bay hinunterzufahren. Sie genießen tagelang ungestörte Naturbeobachtungen am Tag und nachts den Sternenhimmel über ihren Lagerplätzen.

Sorj Chalandon, französischer Bestsellerautor, in Tunis geboren, widmet seinen neuen Roman einer historischen Katastrophe, dem Grubenunglück in der Zeche Saint-Amé in Liévin im Pas du Calais - und namentlich seinen Opfern. Er begegnet uns zunächst in Form einer Milieustudie, mit immer wiederkehrenden Verweisen auf Zolas Germinal, auktorial erzählt vom jungen Michel Flavent, noch aus bäuerlicher Familie stammend, dessen Bruder ebenso wie er einen Ausweg aus der sozialen Klasse sucht, Rennfahrer werden will und doch in der Falle der örtlichen Möglichkeiten gefangen bleibt.

Dieses Buch! Es kratzt und juckt und landete bei mir mehrfach in der Zimmerecke...weil die kraftvollen, eindringlichen und doch behutsamen Worte von Karin Kalisa mir bis tief unter die Haut gingen. Weil es unbequem ist über Kindesmissbrauch zu lesen. Doch die Autorin findet mit viel Feingefühl den richtigen Ton und so möchte ich diesen schmerzlich-schönen und politisch brisanten Roman unbedingt empfehlen!

Geheimnisvoll und düster beginnt das Leben der Hauptfigur Vida im Jahr 1704 – ihre Mutter wird bei der Geburt sterben. Dass die Mutter ihr Leben für das neue, hoffnungsvolle lassen muss, weiß sie aufgrund einer Prophezeiung, der zufolge Vida eine große Rolle im Konflikt zwischen Licht und Schatten spielen wird.

Martyna Bunda erzählt eine polnische Familiengeschichte um vier Frauen, die Mutter Rozela und die ungleichen Töchter Gerta, Ilda und Truda. Die Frauen müssen die chaotischen und dramatischen Zeiten während und nach dem 2. Weltkrieg bewältigen. Auch in den nächsten Jahrzehnten bleiben die Vier miteinander verbunden. Jede der Frauen hat abwechselnd ihre Stimme, wir sehen durch die jeweiligen Perspektiven, was die alltäglichen Anforderungen ihnen abverlangen.

Ich habe noch nie auf den Gewinner des Deutschen Buchpreises gewettet - ist ja auch albern - aber gerade 10 Euro verloren, weil Norbert Scheuer es nicht geworden ist. Ich glaube kaum, dass gerade was zu lesen ist, das so vielfältig und wissensreich ist, dabei so präzise beschreibt, was Gesellschaft bewegt und ebenso geografische, historische, wie Abhandlung über die Natur zu sein versucht; da kann die Besprechung nur scheitern.

Herkunft hat den Deutschen Buchpreis 2019 gewonnen, hier ist unsere Besprechung: Zugegeben, ich hatte mich auf einen neuen Roman des Autors gefreut aber ein Roman ist Herkunft sicher nicht. So wenig, wie es, trotz des pragmatischen Titels, ein Sachbuch ist. Nach Beginn der Lektüre ist es allerdings recht schnell schnurzegal, um was es sich da handelt. In erster Linie ist Herkunft ein glänzend geschriebenes Buch, das so lehrreich ist wie unterhaltsam.

Jetzt im Taschenbuch! Der Roman schildert das Jahr 1944 am Mondsee, gelegen unter der Drachenwand. Ein Ort dessen Bewohner gegen Ende des zweiten Weltkriegs größtenteils aus Alten und Versehrten, Mädchen im Kinderheim, Frauen mit oder ohne Kind, den Verbohrten die an der nationalsozialistischen Ideologie festhalten, oder denen wie dem Mexikaner besteht, dessen Gesinnung nach außen nicht eindeutig oppositionell einzuordnen aber auch nicht aufsässig ist. In diesem Ort wird dem jungen Soldaten Veith, verwundet in Russland, ein Urlaub gewährt.

Jetzt im Taschenbuch! Zweiundzwanzig Romane hat Anne Tyler bisher veröffentlicht und ihr neuester Roman Launen der Zeit ist das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Es soll nicht das letzte bleiben, denn Bücher, sie so unterhaltsam und klug sind, fallen mir selten in die Hände. Mit feinem Witz und viel Einfühlungsvermögen erzählt Tyler in vier Episoden aus dem Leben von Willa Drake, einer Figur, die nicht so recht als Hauptfigur eines Buches taugen mag, so unauffällig kommt sie daher.

Jetzt neu im Taschenbuch - Da liegt er, der Erzähler, einsam und verlassen auf kühler Erde vor einem Männerwohnheim für alleinstehende Senioren. Und er nimmt uns mit auf Gedankenreisen, in denen sich sein Ich auflöst. Oder vielleicht auch vervielfältigt. Peter Stamm lässt seinen Protagonisten Schriftsteller sein, es ist also sozusagen doppelte Vorsicht geboten, wenn es um Realitäten geht.