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Buchtipps - Belletristik

Dies ist weder Autobiografie noch Autofiktion, wie die Autorin in ihrer Nachbemerkung klarstellt, sondern ein Buch über drei bedeutende Frauen ihres Lebens, aus denen sich die tragenden Personen des Romans zusammensetzen.

Debbie White wächst auf einer irischen Milchfarm auf. Ihr Onkel Billy haust in Gesellschaft einer Flasche Whiskey im Wohnwagen vor der Tür und erzählt ihr Geschichten von den alten Griechen und dem Sternenhimmel. Ihre Mutter Maeve verbringt die Tage im Schlafzimmer mit ihrem jüngeren Freund, wo sie Träume aufzeichnet, die sie für Prophezeiungen hält.  Als Debbie beginnt, nach Dublin zu pendeln, um dort ein Englischstudium aufzunehmen, prallen Welten aufeinander.

Mohsin Hamids Roman beginnt mit der unglaublichen Verwandlung des jungen Weißen Anders in einen jungen Mann mit dunkler Hautfarbe. Abgesehen von seinem Äußeren scheint sich nichts verändert zu haben - er hat sein Bewusstsein behalten, und doch erkennt er sich im Spiegel nicht wieder, genauso wenig wie sein Umfeld ihn noch als den Anders erkennt, der er bisher war.

Ich habe schon immer gerne und viel gelesen. Als Kind, als Jugendliche (wenn auch etwas weniger), im Studium wieder sehr viel und dann kam die Ausbildung zur Buchhändlerin und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ein „zu dickes Buch“ gab es nicht für mich, ich hatte ja auch viel Zeit. Jetzt bin ich Mutter und auf einmal ist da gar nicht mehr so viel Zeit übrig und das Lesen leidet mitunter am meisten darunter. Deswegen bin ich dankbar für Literatur, die sich schnell lesen, oder eben auch mal zur Seite legen lässt.

Yada wächst auf einer schwimmenden Stadt in der Ostsee auf. Die Stadt wurde als sich selbstversorgende Rettungsstation entworfen, um die Bewohner*innen vor dem Chaos auf dem Festland zu bewahren. Yadas Vater ist Bürgermeister und Mitbegründer der Seestadt, welche seit den Jahren ihrer Entstehung heruntergekommen und von Algen und Moos bewachsen ist. Es herrschen strenge Regeln für Yada, die nach einem von ihrem Vater festgelegten Rhythmus lebt.

Als die Großmutter — oder Großmeer — an Demenz erkrankt, beschließt die non-binäre Hauptfigur des Romans die eigene Kindheit Revue passieren zu lassen und kramt in alten Erinnerungen — nur um festzustellen, dass wenig Erinnerungen an diese existieren. Was noch da ist, sind vor allem Fragmente der gemeinsamen Zeit mit der Großmeer, welche der Leser*in im ersten Teil des Romans in kurzen Abschnitten nahegebracht werden.

Ab und zu bedanken sich freundliche Verlage beim Buchhandel, weil da seltsame Dinge vor sich gehen. Bücher von gänzlich unbekannten Autor*nnen werden plötzlich verkauft wie geschnitten Brot und keiner weiß so genau warum, außer eben den Buchhändler*nnen und Leser*nnen vor Ort. So der Göttinger Steidl Verlag, bekannt durch die liebevoll-sorgfältige Produktion von Kunst- und Fotobüchern, jedoch zunehmend und erfolgreich im literarischen Betrieb engagiert. Es ging um das Erstlingswerk von Annika Büsing, Lehrerin in Bochum, das im Frühjahr 2022 das Licht der Welt erblickte.

In ihrem zweiten, sehr stillen, poetischen Roman erzählt Jessica Au von einer Mutter-Tochter Reise durch Japan. Die Mutter, einst nach Australien ausgewandert, um dann, als ihre beiden Töchter erwachsen waren wieder zurück nach China zu ziehen, reist aus Hongkong an; die Tochter aus Melbourne. Letztere hat alles akribisch genau geplant und ein volles Programm erstellt: sie besuchen Museen und Galerien, besichtigen Tempelgärten, dazwischen kehren sie in Garküchen und Restaurants ein.

Als Mediensatire fängt alles an, lustig verkokst, wie es eben in Wirklichkeit so zugeht in den Newsrooms von Berliner und Saarbrücker Tageszeitungen. Ein übereifriger Praktikant wittert die Chance, im medialen Haifischbecken Karriere zu machen und wird von Berlin aus auf die weite Reise nach München geschickt, um einen Entertainment-Star zu interviewen. Das Interview dann frei erfunden, der Star indes schon zu Tode gekommen,