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Buchtipps - Belletristik

Thene, 25, hat es sich ganz gut eingerichtet in ihrem Leben: Recht beschaulich und konservativ, sehr geregelt; studiert in Oxford, hat einen Zweitwohnsitz in Heidelberg, wo sie mit ihrem Freund gerne das Ritual des sonntäglichen Waldausfluges pflegt.

„Ich mag Pappel“, sagte sie, als wir unter den Bäumen nach unten gingen. Die Schatten spielten auf ihrem Kleid und auf dem rauen Asphalt Fangen. Ich blieb stehen und sah hoch in die schlanken Kronen. „Ich mag, was die Blätter im Wind machen. So wie jetzt. Es gibt kein richtiges Wort dafür.“

In Frankreich wurde der 2020 erschienene Debütroman (La petite dernière) als sprachgewaltige Geschichte weiblicher Selbstermächtigung gefeiert. Nun kann man Fatima Daas‘ Buch auch auf Deutsch lesen und sich von der Sogkraft der kurzen, eindringlichen Sätze mitreißen lassen. Jedes einzelne Kapitel fängt mit den Worten Ich heiße Fatima (Daas) an; ein Roman in Form einer sehr langen Anapher. Fatima trägt den Namen der jüngsten Tochter des Propheten Mohammed. „Einen Namen, den man ehren muss.

Jetzt im Taschenbuch: Eine mittelgroße Stadt in der Nähe von Freiburg: eine junge Frau springt vom Dach eines Mehrfamilienhauses. Das verrät uns bereits der Titel und die sehr lyrisch anmutende Beschreibung von ihrem freien Fall im Prolog.

Vor langer Zeit fand ich Modiano-Romane eher langweilig, und sicher kann man zu jung sein, um einen Autor zu schätzen, der nur über eines schreibt: das Erinnern. 2014 fand das das Nobelpreiskomitee dann preiswürdig, und auch wenn man in letzter Zeit viel Schlechtes über diesen Kostümverein sagen konnte und über Preise allgemein; die mit letzteren verbundene erzeugte Aufmerksamkeit kann immerhin zu schönen (Wieder-) Entdeckungen führen.

„Die Möglichkeiten ergeben sich immer aus dem, was bereits existiert, und sind gleichzeitig endlos. Was wir als Realität bezeichnen, ist ein Sammelsurium verwirklichter Möglichkeiten.“ Ist das Leben, das wir leben tatsächlich das richtige? Um diese Frage kreist Nina Weijers zweiter Roman Ich. Sie. Die Frau.

Katja Oskamp erzählt voller Empathie von einfachen Leuten, die in Mahrzahn zu ihr zur Fußpflege kommen. Liebevoll beobachtet und warmherzig beschrieben, entsteht ein Kaleidoskop von unterschiedlichen Charakteren und Einblicken ins Leben "kleiner" Leute. Unbedingt lesenswert! (A. Mantwill)

Dieses Büchlein taugt glatt zur Bibel! Das Cartoonduo Hauck & Bauer, seit vielen Jahren v.a. bekannt aus der FAZ und dem Satiremagazin Titanic, bringt im feinen Leineneinband sein erstes Best-of heraus.

Ronya Othmann hat, zusammen mit Cemile Sahin, für die taz die Kolumne „Orient Express“ geschrieben und studiert am Literaturinstitut in Leipzig. Die Sommer ist ihr Debütroman und erzählt von Leyla. Die Protagonistin wurde, wie auch die Autorin, in Deutschland geboren und hat einen aus Syrien geflüchteten jesidischen Vater und eine deutsche Mutter.